Kinder beschäftigen ohne Bildschirm: 20 Ideen für drinnen

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Kinder beschäftigen ohne Bildschirm klappt am leichtesten mit kurzen Spielen, die kaum Vorbereitung brauchen: Bewegungsspiele, Merkspiele, ruhige Runden und kleine Aufgaben im Haushalt. Hier findest du 20 Ideen für drinnen und dazu, wie ihr Bildschirmzeiten vereinbart, ohne jeden Tag neu zu verhandeln.

Kinder beschäftigen ohne Bildschirm: Langeweile ist kein Notfall

„Mir ist langweilig“ hören Eltern an Regentagen gefühlt im Minutentakt. Du musst darauf nicht sofort mit einem Programm antworten. Oft braucht ein Kind ein paar zähe Minuten, bis es von selbst etwas findet: die Kiste mit den Bausteinen, ein Rollenspiel mit dem Kuscheltier, eine Idee, die niemand geplant hat.

Die amerikanische Kinderärztevereinigung AAP beschreibt in einem Bericht das Spielen mit Eltern und anderen Kindern als besondere Gelegenheit, soziale, sprachliche und gedankliche Fähigkeiten und die Selbststeuerung zu üben (Yogman et al. 2018). Ein Bildschirm ist deshalb nicht verboten. Nur ist die Zeit davor Zeit, in der dein Kind nicht selbst spielt.

Die 20 Ideen unten sind kein Pflichtprogramm, sondern ein Vorrat für Nachmittage, an denen gar nichts mehr geht. Praktisch ist ein Ideenglas: Schreibt die Spiele auf kleine Zettel. Wer sich langweilt, zieht einen.

Bewegen: sechs Spiele für drinnen

Kinder zwischen einem und vier Jahren sollen nach der Leitlinie der WHO über den Tag verteilt mindestens drei Stunden in Bewegung sein (WHO 2019). In einer Wohnung ist das an einem Regentag gar nicht so leicht. Diese Spiele brauchen wenig Platz und kaum Material.

  • Überkreuz-Marsch: Ellbogen und gegenüberliegendes Knie treffen sich im ruhigen Takt, einmal quer durch die Wohnung. Beim Überkreuz-Marsch kreuzt dein Kind dabei immer wieder die Mittellinie des Körpers.
  • Rot heißt Stopp: Bei „grün“ läuft dein Kind los, bei „rot“ bleibt es stehen wie eine Statue. Rot heißt Stopp klappt auch im Flur, wenn ihr geht statt rennt.
  • Simon sagt: Dein Kind macht eine Bewegung nur nach, wenn du vorher „Simon sagt“ sagst. Bei Simon sagt muss es also gut zuhören und sich manchmal bremsen.
  • Ball-Acht: Ein kleiner Ball wandert in einer liegenden Acht um beide Knie. Für die Ball-Acht reicht auch ein zusammengerolltes Paar Socken.
  • Der Boden ist Lava: Kissen, Hocker und Decken liegen verteilt, und niemand darf den Boden berühren. Dein Kind plant selbst, wie es von einem Ende des Zimmers zum anderen kommt.
  • Tiergang: Ihr lauft wie ein Bär auf allen vieren, hüpft wie ein Frosch oder krabbelt seitwärts wie ein Krebs. Wer dran ist, sucht das nächste Tier aus.

Stopp-Spiele wie Rot heißt Stopp wurden mit Vorschulkindern untersucht, mit gemischten Ergebnissen: In einer Studie in den USA zeigte sich ein Effekt auf die Selbststeuerung (Schmitt et al. 2015), in einer Studie in Kenia nicht (Willoughby et al. 2021). Spielt sie also, weil sie Spaß machen, nicht als Trainingsplan. Mehr Bewegungsspiele findest du unter Körper und Koordination.

Spiele für Kinder drinnen ohne Material: merken und zuhören

Für diese fünf Spiele braucht ihr nur euch selbst. Sie passen ins Wartezimmer, ins Auto und an den Küchentisch, während das Essen kocht.

  • Klatsch-Echo: Du klatschst einen kurzen Rhythmus, dein Kind klatscht ihn genau nach. Beim Klatsch-Echo darf der Rhythmus mit jeder Runde etwas länger werden.
  • Ich packe meinen Koffer: Jeder wiederholt die ganze Liste und hängt ein Ding an. Ich packe meinen Koffer kennen viele Eltern noch aus der eigenen Kindheit.
  • Auftragskette: Du gibst zwei oder drei kleine Aufträge auf einmal, etwa „Hol einen Löffel, leg ihn aufs Sofa und klatsch zweimal“. Bei der Auftragskette wiederholt dein Kind die Aufträge und erledigt sie dann der Reihe nach.
  • Das Gegenteil-Spiel: Du sagst „groß“, dein Kind macht sich ganz klein. Beim Gegenteil-Spiel muss es den ersten Impuls kurz anhalten, bevor es reagiert.
  • Ich sehe was, was du nicht siehst: Einer sucht sich etwas im Raum aus und verrät nur die Farbe. Die anderen raten, bis jemand es gefunden hat.

Spiele, bei denen Kinder sich etwas merken, genau hinhören und sich bremsen, üben Fähigkeiten, die in der Forschung exekutive Funktionen heißen. Ein Überblick über Programme für Kinder von vier bis zwölf Jahren kam zu dem Ergebnis, dass vor allem regelmäßiges Üben mit langsam steigender Schwierigkeit zählte (Diamond & Lee 2011). Ein Spiel an einem Regentag ist also nett, aber kein Training. Weitere Merkspiele stehen bei den Gedächtnisspielen.

Ruhig werden: vier Ideen für zwischendurch

Nach dem Toben fällt der Wechsel zum Abendessen oder zum Vorlesen oft schwer. Ruhige Spiele sind eine Brücke dazwischen.

  • Form-Atmen: Dein Kind fährt mit dem Finger langsam eine Form nach und atmet dabei im Takt. Für das Form-Atmen reicht ein Blatt Papier mit einer aufgemalten Form.
  • Statuen-Posen: Ihr haltet einfache Haltungen wie den Baum oder den Flamingo, jeweils fünf ruhige Atemzüge lang. Bei den Statuen-Posen sucht abwechselnd jeder die nächste Pose aus.
  • Gefühle raten: Einer spielt ohne Worte ein Gefühl vor, der andere rät. Gefühle raten bringt euch nebenbei ins Gespräch darüber, wie sich Wut oder Stolz eigentlich anfühlen.
  • Geräusche zählen: Alle sitzen eine Minute still mit geschlossenen Augen und zählen, was sie hören. Danach erzählt jeder: Kühlschrank, Vogel, Regen am Fenster.

Mehr ruhige Spiele findest du unter Ruhe und Gefühle.

Basteln und Alltag: fünf Ideen, bei denen dein Kind mitmacht

Nicht jede Beschäftigung muss ein Spiel sein. Viele Kinder wollen dabei sein, wenn Erwachsene etwas Echtes tun. Das dauert länger, als wenn du es allein machst. Dafür ist dein Kind beschäftigt und hat am Ende etwas geschafft.

  • Höhle bauen: Zwei Stühle, eine Decke und ein paar Wäscheklammern reichen. In der fertigen Höhle wird gelesen, gepicknickt oder einfach nur gelegen.
  • Schatzsuche: Du versteckst ein Kuscheltier und gibst Hinweise mit „warm“ und „kalt“. Größere Kinder bekommen kleine Rätselzettel, die von Versteck zu Versteck führen.
  • Beim Kochen helfen: Gemüse waschen, Teig rühren, Gurken mit einem Kindermesser schneiden. Am Ende steht etwas auf dem Tisch, das dein Kind mitgemacht hat.
  • Socken sortieren: Der Wäschekorb wird zum Suchspiel. Wer findet die meisten Paare, bevor das Lied im Radio zu Ende ist?
  • Perlenmuster: Du fädelst ein kurzes Muster auf, dein Kind schaut es sich an und fädelt es danach selbst. Für das Perlenmuster gehen statt Perlen auch Röhrennudeln.

Wenn du selbst gerade etwas erledigen musst, gib deinem Kind eine echte kleine Aufgabe dazu: den Tisch decken, Löffel zählen, Wäscheklammern nach Farben sortieren. Ein Spiel ist das nicht, aber es füllt die Zeit ohne Bildschirm.

Bildschirmzeit regeln ohne täglichen Streit

Wie viel Bildschirm ist in Ordnung? Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit nennt Richtwerte: unter drei Jahren am besten gar keine Bildschirmmedien, von drei bis sechs Jahren höchstens 30 Minuten am Tag, von sechs bis neun Jahren höchstens 30 bis 45 Minuten in der Freizeit (BIÖG, kindergesundheit-info.de). Die WHO rät für Kinder von zwei bis vier Jahren zu höchstens einer Stunde Bildschirmzeit im Sitzen, weniger sei besser (WHO 2019).

Und was sagt die Forschung? Eine Meta-Analyse mit 87 Studien und rund 159.000 Kindern bis zwölf Jahre fand einen kleinen Zusammenhang zwischen mehr Bildschirmzeit und mehr Verhaltensproblemen (Eirich et al. 2022). Klein heißt hier wirklich klein. Die Studien zeigen außerdem nicht, was Ursache und was Folge ist. Es kann auch sein, dass unruhige Kinder öfter ein Tablet in die Hand bekommen.

Streit entsteht meist dann, wenn jeden Tag neu verhandelt wird. Diese Schritte nehmen den Druck raus:

  1. Regeln gemeinsam festlegen: wie lange, wann und was. Das BIÖG bietet dafür auf derselben Seite einen Medienvertrag zum Ausfüllen an, den ihr zusammen besprecht.
  2. Feste Zeiten statt täglicher Fragen: Wenn klar ist, dass es nach dem Mittagessen eine Folge gibt, muss niemand betteln.
  3. Das Ende ankündigen: Sag ein paar Minuten vorher Bescheid. Eine Folge zu Ende zu schauen fällt leichter, als mittendrin aufzuhören.
  4. Ausnahmen einplanen: Regentage, Krankheit, lange Autofahrten. Was vorher besprochen ist, muss nicht jedes Mal erkämpft werden.
  5. Bildschirmfreie Zeiten für alle: Beim Essen und etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen bleiben die Geräte aus, auch bei den Erwachsenen.

Das BIÖG schlägt auch regelmäßige medienfreie Tage mit Ausflügen, Familienaktivitäten oder Sport vor und erinnert daran, dass Eltern Vorbilder sind. Wer beim Abendessen selbst aufs Handy schaut, kann es dem Kind schwer verbieten.

Wann du dir Rat holen kannst

Langeweile, Quengeln und Streit um das Tablet gehören zum Familienalltag. Sprich mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt, wenn dein Kind über Wochen kaum ins Spielen findet, sehr unruhig ist oder sich zurückzieht, oder wenn der Streit um Bildschirme euren Alltag bestimmt. Die Praxis kann bei Bedarf an ein sozialpädiatrisches Zentrum überweisen.

Wenn dir vor allem auffällt, dass dein Kind sich schwer konzentrieren kann, findest du im Artikel Kind kann sich nicht konzentrieren erste Schritte. Informationen und Selbsthilfegruppen für Eltern von Kindern mit ADHS bietet ADHS Deutschland e.V.. Die Spiele in diesem Artikel sind gemeinsame Zeit. Sie ersetzen keine Diagnose und keine Therapie.

Passende Übungen

Häufige Fragen

Was kann man mit Kindern drinnen spielen ohne Material?

Die meisten Spiele aus den Abschnitten zum Bewegen und Merken kommen ohne Material aus: Simon sagt, Rot heißt Stopp, Ich packe meinen Koffer, das Klatsch-Echo oder Ich sehe was, was du nicht siehst. Für „Der Boden ist Lava“ reichen Sofakissen. Ihr braucht nur etwas freien Platz und jemanden, der mitspielt.

Wie viel Bildschirmzeit ist für Kinder okay?

Das BIÖG nennt für Kinder unter drei Jahren am besten gar keine Bildschirmzeit, für Drei- bis Sechsjährige höchstens 30 Minuten am Tag und für Sechs- bis Neunjährige höchstens 30 bis 45 Minuten in der Freizeit. Das sind Richtwerte, jedes Kind ist anders. Das BIÖG rät, mit deinem Kind feste Regeln zu vereinbaren und Ausnahmen gleich mit einzuplanen.

Mein Kind sagt ständig, ihm ist langweilig. Was tun?

Erst einmal nichts überstürzen. Sag ruhig: „Das ist okay, dir fällt bestimmt gleich etwas ein.“ Wenn nach einer Weile nichts kommt, darf dein Kind einen Zettel aus dem Ideenglas ziehen. So entscheidet es selbst, und du musst nicht jedes Mal das Programm liefern.

Zum Weiterlesen

Quellen

  1. Yogman et al. (2018): The Power of Play, Bericht der American Academy of Pediatrics, Pediatrics
  2. WHO (2019): Leitlinie zu Bewegung, Sitzen und Schlaf bei Kindern unter fünf Jahren
  3. BIÖG: Empfehlungen zur Bildschirmzeit und Medienvertrag, kindergesundheit-info.de
  4. Eirich et al. (2022): Bildschirmzeit und Verhalten bei Kindern, JAMA Psychiatry
  5. Diamond & Lee (2011): Interventions shown to aid executive function development in children 4 to 12 years old, Science
  6. Schmitt et al. (2015): Stopp-Spiele bei Vorschulkindern, Early Childhood Research Quarterly
  7. Willoughby et al. (2021): dasselbe Spielprogramm in Kenia

Dieser Artikel ist eine Hilfe für den Familienalltag. Er ersetzt keine Diagnose und keine ärztliche, psychotherapeutische oder ergotherapeutische Beratung. Mehr dazu

Zusammengestellt von Sandor Farkas · Quellen und Herkunft