Kind kann sich nicht konzentrieren: was du heute tun kannst

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Konzentration ist bei Kindern keine feste Eigenschaft, sondern schwankt mit Alter, Schlaf, Hunger, Stimmung und Aufgabe. Wenn dein Kind sich oft nicht konzentrieren kann, hilft zuerst ein genauer Blick auf den Alltag, dann kurze Spiele, die Aufmerksamkeit und Bremsen üben.

Warum Konzentration bei Kindern schwankt

Sich konzentrieren heißt: bei einer Sache bleiben, Ablenkungen ausblenden und den Impuls bremsen, etwas anderes zu tun. Fachleute zählen das zu den exekutiven Funktionen. Dazu gehören das Bremsen von Impulsen, das Arbeitsgedächtnis und das flexible Umdenken (Diamond 2013).

Diese Fähigkeiten reifen langsam. Ein Kind mit sechs Jahren kann sich deutlich kürzer auf eine Aufgabe einlassen als ein Kind mit zehn. Das ist normal und kein Zeichen von Faulheit oder schlechtem Willen.

Dazu kommt der Tag selbst. Ein Kind, das schlecht geschlafen hat, Hunger hat oder gerade Streit hatte, konzentriert sich schlechter. Das geht Erwachsenen genauso. Bevor du nach Übungen suchst, lohnt sich deshalb ein Blick darauf, wann es schwierig wird.

Erst hinschauen: wann, wo und wie lange

Beobachte eine Woche lang ohne zu bewerten. Schreib dir kurz auf, wann dein Kind abschweift und wann es gut dabei ist. Oft zeigt sich ein Muster, das du vorher nicht gesehen hast.

  • Tageszeit: direkt nach der Schule, vor dem Abendessen, spät am Abend?
  • Ort: am Küchentisch mit Geschwistern, im eigenen Zimmer, vor dem Fernseher?
  • Aufgabe: nur bei Hausaufgaben, oder auch beim Spielen und Basteln?
  • Dauer: nach wie vielen Minuten geht es los mit dem Zappeln?

Wenn dein Kind beim Lego oder beim Malen lange dabei bleibt, bei Mathe aber nach drei Minuten aufsteht, ist das ein anderes Bild, als wenn es sich nirgends länger halten kann. Beides ist wichtig zu wissen, auch für ein späteres Gespräch mit der Kinderärztin.

Fünf Dinge, die du heute ändern kannst

Kleine Änderungen am Rahmen bringen oft mehr als jede Übung. Du musst nicht alles auf einmal umsetzen. Such dir eine Sache aus und probier sie eine Woche lang.

  1. Kürzere Einheiten: Lieber drei Runden mit zehn Minuten und einer echten Pause dazwischen als eine halbe Stunde am Stück.
  2. Eine Anweisung auf einmal: „Hol dein Heft“ statt „Hol dein Heft, spitz den Stift und schlag Seite 12 auf“.
  3. Ein ruhiger Platz: Handy weg, Fernseher aus, Spielzeug außer Sicht. Was nicht da ist, lenkt nicht ab.
  4. Bewegung vorher: Ein paar Minuten Toben oder ein Bewegungsspiel, bevor es an den Tisch geht.
  5. Die Mühe loben, nicht das Ergebnis: „Du bist drangeblieben, obwohl es schwer war“ wirkt länger als „Super, alles richtig“.

Achte auch auf die Grundlagen: genug Schlaf, ein Snack nach der Schule, etwas zu trinken auf dem Tisch. Das klingt banal, macht aber oft den größten Unterschied.

Drei kurze Spiele für heute

Spiele, in denen Kinder aufpassen, sich etwas merken und sich bremsen müssen, üben genau die Fähigkeiten, die sie zum Konzentrieren brauchen. Ein Überblick über Programme für Vier- bis Zwölfjährige zeigt: Wirksam war vor allem, was regelmäßig geübt wurde und langsam schwerer wurde (Diamond & Lee 2011). Die Spiele hier dauern jeweils nur wenige Minuten.

Zum Wachwerden: Beim Überkreuz-Marsch treffen sich Ellbogen und gegenüberliegendes Knie im ruhigen Takt. Das bringt den Körper in Bewegung, bevor es an den Tisch geht. Zwanzig Wiederholungen reichen.

Zum Bremsen üben: Bei Rot heißt Stopp läuft dein Kind bei „grün“ los und erstarrt bei „rot“ wie eine Statue. Das übt, einen Impuls mitten in der Bewegung zu stoppen. Solche Stopp-Spiele wurden mit Vorschulkindern untersucht, mit gemischten Ergebnissen: In den USA zeigte sich ein Effekt (Schmitt et al. 2015), in einer Studie in Kenia nicht (Willoughby et al. 2021).

Zum Runterkommen: Beim Form-Atmen fährt dein Kind langsam eine Form mit dem Finger nach und atmet dabei im Takt. Das passt gut nach dem Toben oder vor dem Einschlafen. Eine Studie mit Schulkindern hat langsames, tiefes Atmen untersucht und kurzfristige Veränderungen im Körper gemessen (Obradović et al. 2021). Mehr sagt sie nicht.

Wenn dein Kind Spaß daran hat, probier als Nächstes das Klatsch-Echo: Du klatschst einen Rhythmus, dein Kind klatscht ihn nach. Weitere Ideen findest du bei den Konzentrationsübungen für Kinder.

Mit deinem Kind darüber reden

Kinder merken sehr genau, wenn Erwachsene sich Sorgen machen. Wer ständig hört „Konzentrier dich doch mal“, glaubt irgendwann, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Das macht das Anfangen nicht leichter.

Frag dein Kind lieber, wie es sich anfühlt, wenn es bei einer Aufgabe nicht weitergeht. Manche sagen, der Kopf sei zu laut. Andere finden die Aufgabe langweilig oder zu schwer. Aus solchen Antworten lernst du oft mehr als aus jeder Liste.

Macht die Spiele als gemeinsame Zeit, nicht als Pflichtprogramm. Wenn dein Kind einmal keine Lust hat, lass es ausfallen. Morgen ist ein neuer Versuch.

Bewegung vor dem Stillsitzen

Viele Eltern versuchen, ein unruhiges Kind zum Stillsitzen zu bringen. Oft klappt das Gegenteil besser: erst bewegen, dann sitzen. Mehrere Meta-Analysen deuten darauf hin, dass regelmäßige Bewegung bei Kindern mit ADHS die exekutiven Funktionen und die Aufmerksamkeit etwas verbessern kann (Song et al. 2023, Li et al. 2023).

Die Effekte in diesen Studien sind moderat, und die Programme liefen meist über Wochen. Ein Bewegungsspiel vor den Hausaufgaben ist also kein Schalter, der Konzentration anknipst. Es ist ein guter Anfang, der kaum Aufwand kostet und den meisten Kindern Spaß macht.

Praktisch heißt das: Plane vor jeder Sitzaufgabe drei bis fünf Minuten Bewegung ein. Hampelmänner, Treppe hoch und runter, ein Stopp-Spiel im Flur. Danach eine kurze Atemrunde, damit der Übergang an den Tisch leichter fällt.

Bildschirmzeit: ein ehrlicher Blick

Eine Meta-Analyse zu Kindern bis zwölf Jahre fand einen Zusammenhang zwischen mehr Bildschirmzeit und mehr Verhaltensproblemen, darunter Unaufmerksamkeit (Eirich et al. 2022). Der Zusammenhang ist klein, und er sagt nicht, was Ursache und was Folge ist.

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit nennt Höchstzeiten für Bildschirme, die mit dem Alter wachsen. Für kleine Kinder sind sie sehr kurz. Was für das Alter deines Kindes gilt, steht übersichtlich auf kindergesundheit-info.de.

Du musst den Bildschirm nicht verbannen. Hilfreich ist, ihn nicht direkt vor Aufgaben zu legen, die Konzentration brauchen, und feste Zeiten auszumachen, damit nicht jeden Tag neu verhandelt wird.

Wann du dir Hilfe holen solltest

Die Ideen in diesem Artikel sind für den Familienalltag gedacht. Sie ersetzen keine Diagnose und keine Behandlung. Sprich mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt, wenn einer dieser Punkte auf dein Kind zutrifft:

  • Die Schwierigkeiten bestehen seit mehr als sechs Monaten und zeigen sich zu Hause und in Kita oder Schule.
  • Dein Kind leidet selbst darunter, zieht sich zurück oder hat kaum Freunde.
  • Die Schule meldet sich wiederholt, oder die Noten fallen deutlich ab.
  • Du hast das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, auch wenn du es nicht genau benennen kannst.

Die Kinderarztpraxis kann an ein sozialpädiatrisches Zentrum oder eine Fachpraxis überweisen. Wie ADHS in Deutschland abgeklärt wird, beschreibt die ärztliche Leitlinie (AWMF S3-Leitlinie ADHS). Informationen und Selbsthilfegruppen für Eltern bietet ADHS Deutschland e.V..

Eine Checkliste zur Selbstdiagnose findest du hier bewusst nicht. Unaufmerksamkeit hat viele mögliche Gründe, von Schlafmangel über Sehprobleme bis zu Sorgen, die ein Kind nicht in Worte fassen kann. Das auseinanderzuhalten ist Aufgabe von Fachleuten.

Passende Übungen

Häufige Fragen

Wie lange kann sich ein Kind im Grundschulalter konzentrieren?

Das ist von Kind zu Kind sehr verschieden und hängt stark von der Aufgabe ab. Eine feste Minutenzahl gibt es nicht. Hilfreicher als eine Norm ist dein eigener Blick: Nach wie vielen Minuten wird dein Kind bei einer bestimmten Aufgabe unruhig? Plane die Einheiten etwas kürzer und mach dann eine Pause.

Heißt Konzentrationsschwäche automatisch ADHS?

Nein. Viele Kinder können sich zeitweise schlecht konzentrieren, ohne dass eine ADHS dahintersteckt. Ob es eine ADHS ist, kann nur eine Fachperson nach einer gründlichen Abklärung sagen. Wenn du unsicher bist, sprich mit der Kinderarztpraxis.

Wie oft sollten wir die Spiele machen?

Lieber kurz und regelmäßig als selten und lang. Zwei bis drei Spiele am Tag mit jeweils wenigen Minuten reichen. Aufhören, solange es noch Spaß macht, dann freut sich dein Kind auf die nächste Runde.

Quellen

  1. Diamond (2013): Executive Functions, Annual Review of Psychology
  2. Diamond & Lee (2011): Interventions shown to aid executive function development in children 4 to 12 years old, Science
  3. Song et al. (2023): Meta-Analyse zu Bewegung und exekutiven Funktionen bei Kindern mit ADHS, PLOS One
  4. Li et al. (2023): Meta-Analyse zu Bewegung und Aufmerksamkeit bei Schulkindern mit ADHS, Frontiers in Physiology
  5. Schmitt et al. (2015): Stopp-Spiele bei Vorschulkindern, Early Childhood Research Quarterly
  6. Willoughby et al. (2021): dasselbe Spielprogramm in Kenia
  7. Obradović et al. (2021): langsames Atmen bei Schulkindern, Developmental Psychobiology
  8. Eirich et al. (2022): Bildschirmzeit und Verhalten bei Kindern, JAMA Psychiatry
  9. BIÖG: Empfehlungen zur Bildschirmzeit, kindergesundheit-info.de
  10. AWMF S3-Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen (2018)

Dieser Artikel ist eine Hilfe für den Familienalltag. Er ersetzt keine Diagnose und keine ärztliche, psychotherapeutische oder ergotherapeutische Beratung. Mehr dazu

Zusammengestellt von Sandor Farkas · Quellen und Herkunft