Ergotherapie-Übungen für zuhause: was Eltern tun können

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Ergotherapie-Übungen für zuhause sind kleine Aufgaben und Spiele, mit denen Kinder zwischen den Terminen im Alltag üben, abgestimmt mit ihrer Ergotherapeutin oder ihrem Ergotherapeuten. Was dein Kind üben soll, legt die Praxis fest, und deine Aufgabe ist, dem Üben im Familienalltag einen festen Platz zu geben.

Was Ergotherapie bei Kindern ist

Der Deutsche Verband Ergotherapie beschreibt sein Fach so: Ergotherapie soll Menschen befähigen, ihren Alltag selbstbestimmt zu gestalten und an der Gesellschaft teilzuhaben (DVE). Bei Kindern heißt Alltag vor allem spielen, sich anziehen, essen, in Kita und Schule mitmachen und mit anderen Kindern zurechtkommen.

Ergotherapie gehört in Deutschland zu den Heilmitteln. Sie kann Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, Verhaltensauffälligkeiten oder Problemen im Alltag unterstützen und läuft meist als regelmäßige Termine (gesund.bund.de). Damit die Krankenkasse zahlt, muss eine Ärztin oder ein Arzt sie verordnen. Wenn du überlegst, ob Ergotherapie für dein Kind in Frage kommt, sprich zuerst mit eurer Kinderarztpraxis.

Eine Stunde in der Praxis ist kurz im Vergleich zu einer ganzen Woche. Den Rest der Zeit verbringt dein Kind zuhause, in der Kita oder in der Schule. Deshalb lohnt es sich, mit der Praxis zu besprechen, was zwischen den Terminen passieren kann und was besser nicht.

Warum das Üben zuhause dazugehört

Für Kinder mit einer motorischen Koordinationsstörung gibt es internationale Empfehlungen, eine Art Leitlinie (Blank et al. 2019). Sie rät, Kindern viel Gelegenheit zu geben, Bewegungen im Alltag zu üben: zuhause, in der Schule, in der Freizeit und beim Sport. Die Fachleute, die das Kind betreuen, sollen Eltern erklären, wie sie dabei unterstützen können.

Die Unterstützung durch Eltern und andere Bezugspersonen nennt die Leitlinie wichtig für den Erfolg einer Behandlung. Sie sagt aber auch offen, dass nicht jede Familie diese Unterstützung leisten kann. Wenn es bei euch gerade nicht geht, weil Geschwister, Arbeit oder Krankheit alles auffressen, hast du also nicht versagt.

Die Leitlinie bezieht sich auf eine bestimmte Diagnose. Ob und wie viel bei deinem Kind zuhause geübt werden soll, entscheidet die Praxis, die dein Kind kennt. Die Spiele auf dieser Website sind keine Ergotherapie und ersetzen sie nicht. Sie können eine Ergänzung im Alltag sein, wenn die Therapeutin oder der Therapeut einverstanden ist.

Fragen für den nächsten Termin in der Praxis

Das Hausprogramm kommt aus der Praxis, nicht aus dem Internet. Oft ist die Stunde schnell vorbei, und die wichtigen Fragen fallen einem erst im Auto ein. Schreib dir deshalb vorher auf, was du wissen willst. Diese Fragen sind ein Anfang:

  • Woran arbeitet ihr gerade, und was hat das mit unserem Alltag zu tun?
  • Was soll mein Kind zuhause üben, wie oft und wie lange?
  • Kannst du mir die Übung einmal zeigen, damit ich sie richtig anleite?
  • Woran merke ich, dass eine Aufgabe zu leicht oder zu schwer ist?
  • Welche Alltagsaufgaben kann mein Kind jetzt schon selbst übernehmen?
  • Passen diese Spiele, die mein Kind gern macht, zu dem, was ihr übt?
  • Gibt es etwas, das ich zuhause lieber lassen sollte?

Wenn dein Kind alt genug ist, nimm es in das Gespräch mit hinein. Die Leitlinie empfiehlt, bei den Zielen auch die Sicht von Kind und Familie zu berücksichtigen (Blank et al. 2019). Ein Kind, das selbst Fahrrad fahren oder die Schuhe binden will, übt meist lieber als eines, dem ein Ziel vorgesetzt wird.

Ergotherapie-Übungen für Kinder zuhause: der Alltag als Übungsfeld

Die Leitlinie empfiehlt Ansätze, die direkt an Alltagsaufgaben ansetzen, zum Beispiel an Körperpflege, Spiel, Sport, Basteln und Aufgaben für die Schule (Blank et al. 2019). Für Eltern heißt das: Viele Gelegenheiten zum Üben stecken in Dingen, die ihr sowieso jeden Tag macht.

  • Anziehen: Knöpfe, Reißverschluss, Socken. Plane mehr Zeit ein als sonst, etwa am Wochenende, wenn morgens niemand drängelt.
  • Tisch decken: Teller tragen, Besteck abzählen, Becher abstellen, ohne dass etwas umkippt. Das braucht Kraft, Gleichgewicht und ein bisschen Planung.
  • Schneiden: Mit einer Kinderschere erst Streifen aus Papier schneiden, später an einer Linie entlang. Eine Hand schneidet, die andere hält und dreht das Blatt.
  • Kneten: Knete, Salzteig oder Brotteig rollen, drücken und zupfen. Die Finger sind beschäftigt, und es muss kein bestimmtes Ergebnis herauskommen.
  • Kochen und Backen: Der Deutsche Verband Ergotherapie nennt das gemeinsame Kochen als Beispiel dafür, wie Kinder im Alltag mitmachen können, beim Vorbereiten und Zubereiten (DVE 2025).

So wird aus einer Alltagsaufgabe eine kleine Übung:

  1. Frag in der Praxis, welche Aufgabe gerade dran ist, und nimm dir nur diese eine vor.
  2. Teil sie in kleine Schritte. Bei der Jacke: Ärmel finden, hineinschlüpfen, Reißverschluss einfädeln, hochziehen.
  3. Lass dein Kind den Schritt selbst machen, den es fast schon kann. Den Rest übernimmst du, ohne Kommentar.
  4. Klappt das ein paar Tage gut, gib den nächsten Schritt ab. Das darf Wochen dauern.

Ob diese Reihenfolge zu deinem Kind passt, weiß die Praxis am besten. Manche Kinder brauchen eine andere Hilfe, zum Beispiel einen dickeren Stift, eine andere Schere oder eine bessere Sitzposition am Tisch.

Grobmotorik, Feinmotorik, beide Hände: passende Spiele

Neben dem Alltag bringen kurze Spiele Abwechslung. Die Ideen hier sind nach Bereichen sortiert. Zeig sie der Therapeutin oder dem Therapeuten, bevor ihr sie regelmäßig spielt. Dann wisst ihr, ob sie zum Hausprogramm passen oder ob gerade etwas anderes wichtiger ist.

Für die Grobmotorik, also Bewegungen mit dem ganzen Körper, eignet sich der Pfeil-Parcours. Dort liegen Blätter mit Pfeilen auf dem Boden, und dein Kind springt den Weg ab. Beim Überkreuz-Marsch treffen sich Ellbogen und gegenüberliegendes Knie im ruhigen Takt. Das übt, die Mittellinie zu kreuzen, also mit Arm oder Bein über die Körpermitte auf die andere Seite zu gehen.

Bei der Feinmotorik geht es um Finger und Hände. Beim Perlenmuster schaut dein Kind ein Muster kurz an und fädelt es dann selbst auf. Eine Hand hält die Schnur, die andere führt die Perle.

Beide Hände gleichzeitig braucht dein Kind beim Spiegel-Zeichnen: Es malt links und rechts dieselbe Form. Bei der großen Schleife fährt es im Stehen an der Wand eine große Form langsam mit dem ganzen Arm nach.

Ums Körpergefühl geht es bei der Ball-Acht. Dein Kind reicht einen kleinen Ball in einer Acht um die Knie herum. Dafür muss es spüren, wo Hände und Beine gerade sind, ohne ständig hinzuschauen. Ruhiger geht es bei den Statuen-Posen zu: eine einfache Haltung einnehmen und ein paar Atemzüge lang halten.

Weitere Ideen findest du bei den Bewegungsübungen für Koordination und Mittellinie. Diese Spiele sind Training und gemeinsame Zeit. Ob sie zu den Zielen deines Kindes passen, kann nur die Praxis einschätzen.

Wie oft, wie lange und mit wie viel Lust

Eine allgemeine Antwort gibt es nicht. Die Leitlinie sagt ausdrücklich, dass sich zu Häufigkeit und Dauer noch keine klaren Empfehlungen geben lassen, weil vergleichende Studien fehlen. In den ausgewerteten Studien schnitten lange Programme in standardisierten Tests nicht besser ab als kürzere (Blank et al. 2019).

Halte dich deshalb an das, was die Praxis vorschlägt. Gibt es keine Vorgabe, frag nach. Kurze Einheiten lassen sich meist leichter in den Tag einbauen als eine lange Sitzung am Wochenende. Ein paar Faustregeln, die nichts versprechen, aber den Alltag leichter machen:

  • Ein fester Zeitpunkt, etwa nach dem Abendessen oder vor dem Zähneputzen.
  • Aufhören, solange es noch Spaß macht.
  • Lieber eine Aufgabe in Ruhe als mehrere hintereinander.
  • Pausentage einplanen, besonders in anstrengenden Wochen.

Üben ist für Kinder oft mühsam, gerade wenn ihnen etwas schwerfällt, das andere scheinbar nebenbei können. Die Leitlinie beschreibt, dass wiederholtes Scheitern am Selbstvertrauen nagt und dass Eltern und Schule für die Motivation wichtig sind (Blank et al. 2019). Lass dein Kind mitentscheiden, welches Spiel ihr macht und wer anfängt. Mach selbst mit: Wenn du mit beiden Händen gleichzeitig malst, sieht dein Kind, dass das auch für Erwachsene nicht leicht ist. Lobe die Mühe, nicht das Ergebnis.

Weigert sich dein Kind über Wochen oder endet das Üben oft in Tränen, sprich das in der Praxis an. Vielleicht passt die Aufgabe nicht, oder dein Kind braucht eine Pause.

Wenn ihr auf einen Therapieplatz wartet

Wartet ihr auf einen Platz, musst du in dieser Zeit nicht selbst die Therapeutin spielen. Sinnvoller ist es, genau hinzuschauen. Notiere ein paar Wochen lang kurze Beispiele, bei welchen Alltagsaufgaben dein Kind Hilfe braucht: der Knopf an der Jacke, der Stift, der immer wegrutscht, das Treppensteigen, das Fahrradfahren.

Solche Notizen sind beim ersten Termin Gold wert, weil sie zeigen, wie der Alltag wirklich aussieht. Schreib auch auf, was gut klappt und was dein Kind gern macht. Daran kann die Praxis später anknüpfen.

Spielplatz, Toben, Basteln und Mithelfen im Haushalt dürfen in der Wartezeit ganz normal weiterlaufen. Sie sind kein Ersatz für eine Behandlung, aber sie gehören zu einer Kindheit dazu. Wenn die Wartezeit sehr lang wird, frag in der Kinderarztpraxis, ob es andere Praxen in der Nähe gibt.

Wann du mit der Praxis oder Kinderarztpraxis sprechen solltest

Die Ideen in diesem Artikel sind für den Familienalltag gedacht. Sie ersetzen keine Diagnose und keine Therapie. Sprich mit der Praxis oder mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt, wenn einer dieser Punkte zutrifft:

  • Dein Kind hat bei einer Übung Schmerzen oder fühlt sich danach unwohl.
  • Etwas, das dein Kind schon konnte, klappt plötzlich nicht mehr.
  • Das Üben zuhause endet regelmäßig in Streit oder Tränen.
  • Neue Schwierigkeiten kommen dazu, etwa in der Schule oder mit Freunden.
  • Du bist unsicher, ob ein Spiel aus dem Internet zum Hausprogramm passt.

Die Kinderarztpraxis kann bei Bedarf an ein sozialpädiatrisches Zentrum überweisen. Wenn bei deinem Kind eine ADHS festgestellt wurde oder du das vermutest, findest du Beratung und Selbsthilfegruppen für Eltern bei ADHS Deutschland e.V.. Eine Checkliste zur Selbstdiagnose gibt es hier bewusst nicht, das Einordnen ist Aufgabe von Fachleuten.

Passende Übungen

Häufige Fragen

Kann ich Ergotherapie zuhause selbst machen?

Nein. Ergotherapie ist eine Behandlung durch ausgebildete Fachleute, die vorher genau anschauen, was dein Kind braucht. Du kannst aber zuhause üben, was die Praxis mit dir bespricht, und deinem Kind im Alltag bewusst Aufgaben überlassen. Spiele wie die auf dieser Website sind Ergänzung und gemeinsame Zeit, kein Ersatz.

Welche Ergotherapie-Übungen kann ich mit meinem Kind zuhause machen?

Zuerst die, die eure Praxis vorschlägt. Dazu passen Alltagsaufgaben wie Anziehen, Tisch decken, Schneiden oder Kneten. Als Abwechslung eignen sich kurze Bewegungs- und Fingerspiele wie der Überkreuz-Marsch oder das Perlenmuster. Frag in der Praxis, ob sie zu den Zielen deines Kindes passen.

Was kostet Ergotherapie für Kinder?

Ergotherapie muss medizinisch notwendig sein und ärztlich verordnet werden, damit die Krankenkasse sie bezahlt. Für Kinder und Jugendliche fallen dabei keine Zuzahlungen an (gesund.bund.de). Bist du privat versichert, frag vorher bei deiner Versicherung nach.

Zum Weiterlesen

Quellen

  1. Deutscher Verband Ergotherapie (DVE): Begriffsbestimmung Ergotherapie
  2. DVE (2025): Kinder spielend fördern, ergotherapeutische An- und Einsichten
  3. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit): Physiotherapie, Ergotherapie und andere Heilmittel für Kinder
  4. Blank et al. (2019): Internationale Empfehlungen zur motorischen Koordinationsstörung, Developmental Medicine & Child Neurology
  5. ADHS Deutschland e.V.: Beratung und Selbsthilfe für Familien

Dieser Artikel ist eine Hilfe für den Familienalltag. Er ersetzt keine Diagnose und keine ärztliche, psychotherapeutische oder ergotherapeutische Beratung. Mehr dazu

Zusammengestellt von Sandor Farkas · Quellen und Herkunft