Vorschulkinder spielerisch fördern: 10 Spiele für zuhause

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Vorschulkinder spielerisch fördern heißt vor allem, im Alltag und im Spiel das zu üben, was Schulen sich wirklich wünschen: selbstständig sein, zuhören, warten können und eine Aufgabe zu Ende bringen. Dafür braucht ihr keine Stapel von Arbeitsblättern, sondern kurze Spiele, kleine Aufgaben im Haushalt und einen gelassenen Blick auf den Schulstart.

Was Schulen sich wirklich wünschen

Viele Eltern denken beim Schulstart zuerst an Buchstaben und Zahlen. Gefragt ist aber vor allem etwas anderes. Der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst in Berlin-Pankow beschreibt in seiner Broschüre zum Schulanfang, was im Klassenzimmer zählt: warten, bis man an der Reihe ist, andere ausreden lassen, kleine Aufgaben selbst erledigen, sich ausdauernd mit einer Sache beschäftigen, Aufgaben zu Ende machen, genau zuhören und Enttäuschungen aushalten (Gesundheitsamt Pankow).

Die Forschung sieht das ähnlich. Hinter vielen dieser Punkte stecken die exekutiven Funktionen, also Merken, Bremsen und Umdenken. Laut einer großen Übersicht sind sie für die Schulbereitschaft wichtiger als der IQ oder erste Lese- und Rechenkenntnisse (Diamond 2013).

Zur Orientierung, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Selbstständigkeit: Jacke an- und ausziehen, allein zur Toilette gehen, die Brotdose öffnen.
  • Zuhören: einer Anweisung folgen, die an die ganze Gruppe geht, nicht nur an dein Kind.
  • Warten: an der Reihe sein, andere ausreden lassen, einen Wunsch kurz aufschieben.
  • Dranbleiben: eine kleine Aufgabe zu Ende bringen, auch wenn sie gerade langweilig wird.
  • Gefühle: eine Enttäuschung aushalten und sich von dir trennen können.

Schulreife ist keine Checkliste

Im Netz kursieren viele Schulreife-Checklisten zum Abhaken. Eine Prüfung zum Bestehen ist der Schulstart nicht. Vor der Einschulung untersucht das Gesundheitsamt jedes Kind in der Schuleingangsuntersuchung, die in allen Bundesländern Pflicht ist. Dabei werden unter anderem Sehen, Hören, Sprache und Feinmotorik angeschaut, zum Beispiel mit Nachsprechen und Malen (LGL Bayern).

Kinder entwickeln sich in diesem Alter in Sprüngen, und jedes in seinem Tempo. Eine Liste, auf der dein Kind drei Punkte noch nicht schafft, sagt wenig darüber, wie es in einem halben Jahr dasteht. Fragen zur Einschulung, etwa zu einer Zurückstellung, besprichst du am besten mit der Kita und der Schule. Die Regeln dafür unterscheiden sich je nach Bundesland.

Spielen statt Arbeitsblatt-Drill

Wer nach Übungen für die Vorschule sucht, findet vor allem Arbeitsblätter zum Ausdrucken, sortiert nach „ab 4“, „ab 5“ und „ab 6“. Manche Kinder lieben solche Blätter, und dann spricht nichts gegen ein, zwei Seiten. Viele Punkte von oben kommen aber gar nicht am Blatt vor, sondern beim Tischdecken, Anziehen und Spielen mit anderen. Auch die Pankower Broschüre schlägt spielerische Wege vor, um Ausdauer, Warten und Selbstständigkeit zu üben.

Ein bekanntes Vorschulprogramm aus den USA, Tools of the Mind, setzt bewusst auf Rollenspiel: Die Kinder planen, wer sie sind und was sie tun, und halten sich dann an ihre eigenen Regeln. Eine Übersichtsarbeit berichtet für dieses Programm Fortschritte bei den exekutiven Funktionen (Diamond & Lee 2011). Das Programm prägte allerdings den ganzen Kita-Tag. Als die Spiele nur als Zusatzstunde liefen, blieben die Effekte eng auf diese Situation begrenzt (Diamond & Ling 2016). Daraus lässt sich nicht ableiten, dass einzelne Spiele zuhause etwas Vergleichbares bewirken. Die Spiele unten sind Ideen für gemeinsame Zeit, bei denen dein Kind freiwillig mitmacht.

Vorschulkinder spielerisch fördern: 10 kurze Spiele

Jedes Spiel dauert nur wenige Minuten. Sucht euch pro Tag eins oder zwei aus, je nach Laune und Energie, und hört auf, solange es noch Spaß macht. Für Punkte nachlegen, Farben tippen und Große Schleife gibt es ein Blatt zum Ausdrucken.

Zuhören: Beim Klatsch-Echo klatschst du einen kurzen Rhythmus vor, und dein Kind klatscht ihn genau nach. Bei der Auftragskette hört dein Kind mehrere kleine Aufträge auf einmal, wiederholt sie und erledigt sie der Reihe nach. „Hol einen Löffel, leg ihn aufs Sofa und klatsch zweimal.“

Merken: Beim Farben-Zug merkt sich dein Kind die Farben der Waggons und legt sie auf dem leeren Zug mit Knöpfen nach. Bei Punkte nachlegen schaut es ein Farbmuster kurz an und legt es danach aus dem Gedächtnis.

Hände: Bei Farben tippen rufst du eine Farbe, und dein Kind tippt mit der passenden Hand darauf. Nebenbei geht es um links und rechts. Beim Perlenmuster schaut dein Kind eine kurze Farbfolge an und fädelt sie dann selbst auf.

Warten: Bei Simon sagt macht dein Kind nur mit, wenn der Satz mit „Simon sagt“ beginnt. Bei Rot heißt Stopp geht es bei Grün los und erstarrt bei Rot wie eine Statue.

Körper: Bei der Großen Schleife fährt dein Kind eine große offene Schleife in einer langsamen Bewegung aus Schulter und Arm nach. Bei den Statuen-Posen hält es einfache Posen fünf ruhige Atemzüge lang.

Ein ehrlicher Hinweis: Eine kritische Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass Kinder vor allem in dem besser werden, was sie konkret üben (Diamond & Ling 2016). Wer oft Klatsch-Echo spielt, kennt irgendwann das Klatsch-Echo gut. Daraus folgt nicht, dass dein Kind im Morgenkreis geduldiger wird. Die Spiele sind zum Spaß gedacht, nicht als Vorbereitung mit Ziel. Weitere Spiele findest du in der Übersicht aller Übungen, Konzentrationsübungen fürs Kindergartenalter in der Kategorie Konzentration.

Selbstständigkeit im Alltag üben

Vieles, was in der Schule ohne Hilfe klappen muss, übt ihr ganz nebenbei zu Hause: Schuhe zumachen, die Jacke aufhängen, das eigene Brot schmieren, den Rucksack für den Ausflug packen. Die Pankower Broschüre rät, dem Kind nach und nach kleine Aufgaben zu übertragen, die es eigenverantwortlich erledigen kann, und dranzubleiben, wenn es beim ersten Versuch nicht klappt (Gesundheitsamt Pankow).

  1. Eine Aufgabe ganz abgeben: Dein Kind deckt den Frühstückstisch. Du hältst dich zurück, auch wenn der Löffel auf der falschen Seite liegt.
  2. Zeit einplanen: Wer sich allein anziehen soll, braucht morgens deutlich mehr Zeit. Lieber früher wecken als selbst die Jacke zuknöpfen.
  3. Nach Hilfe fragen lassen: „Kannst du mir den Deckel aufmachen?“ ist ein Satz, den dein Kind in der Schule oft brauchen wird.

Die Hände üben dabei immer mit, ob beim Knöpfen, Schneiden oder Kneten. Wie dein Kind den Stift hält, entwickelt sich in dieser Zeit noch, und Malen aus Spaß zählt dabei genauso wie jede Übung.

Schwungübungen, also große Bögen und Schleifen vor dem Schreibenlernen, gehören in vielen Schulen zum ersten Schuljahr. Davor reichen große Bewegungen in der Luft und auf großem Papier.

Der Wechsel von der Kita in die Schule

Der Schulstart bringt viel Neues auf einmal: einen anderen Tagesablauf, neue Kinder, einen Schulweg und Erwachsene, die dein Kind noch nicht kennen. Ein paar Dinge machen den Übergang greifbarer:

  • Gut über Schule sprechen: Die Pankower Broschüre rät, deinem Kind ein positives Bild vom Lernen und von der Schule zu vermitteln, auch wenn du selbst nicht nur gute Erinnerungen hast.
  • Den Schulweg üben: rechtzeitig vor dem ersten Tag, an Wochentagen und zu den echten Uhrzeiten, damit ihr den Verkehr realistisch erlebt (Gesundheitsamt Pankow).
  • Den Ort kennenlernen: am Wochenende über den Schulhof laufen, das Klassenzimmer beim Kennenlerntag anschauen, wenn die Schule einen anbietet.
  • Ausgeruht starten: Ein Kind, das geschlafen und gefrühstückt hat, kann sich auf Weg und Unterricht besser einlassen, schreibt die Broschüre.

Wie lange ein Schulanfänger bei einer Sache bleibt, schwankt stark mit Tagesform und Interesse. Plant die Nachmittage in den ersten Wochen deshalb ruhig.

Wann du mit der Kinderärztin sprechen solltest

Die U9 im Alter von 60 bis 64 Monaten ist die letzte Früherkennungsuntersuchung vor dem Schulbeginn (BIÖG). Schreib dir vorher auf, was dir auffällt, und sprich es dort an. Die Schuleingangsuntersuchung beim Gesundheitsamt ergänzt die U9, sie ersetzt sie nicht (LGL Bayern).

Warte nicht bis zur nächsten Untersuchung, wenn dich etwas beunruhigt, zum Beispiel wenn dein Kind schwer zu verstehen ist, oft nachfragt, als hätte es nicht gehört, sich mit Stift und Schere sehr schwertut oder die Kita dich auf etwas hinweist. Die Praxis kann klären, ob etwa Logopädie oder Ergotherapie sinnvoll ist, und beides verordnen. Was ihr zwischen den Terminen tun könnt, steht in Ergotherapie-Übungen für zuhause.

Passende Übungen

Häufige Fragen

Was muss ein Vorschulkind können?

Wichtiger als Buchstaben und Zahlen sind Dinge wie zuhören, warten, bis man dran ist, kleine Aufgaben allein erledigen und bei einer Sache bleiben. So beschreibt es zum Beispiel der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst Berlin-Pankow in seiner Broschüre zum Schulanfang. Eine feste Liste, die jedes Kind vollständig abhaken muss, gibt es nicht. Kinder entwickeln sich in diesem Alter unterschiedlich schnell.

Welche Vorschulübungen ab 5 sind sinnvoll?

Kurze Spiele, die Zuhören, Merken, Hände, Warten und Bewegung verbinden, etwa Klatsch-Echo, Farben-Zug oder Simon sagt. Wenn dein Kind gern am Tisch arbeitet, ist auch ein Blatt zum Ausdrucken in Ordnung. Wichtig ist, dass es freiwillig bleibt und nach wenigen Minuten Schluss ist, solange es noch Spaß macht. Dazu kommen Aufgaben im Alltag, die dein Kind allein erledigt.

Was wird bei der Schuleingangsuntersuchung gemacht?

Fachkräfte des Gesundheitsamts prüfen unter anderem Sehen und Hören, Sprache und Feinmotorik, zum Beispiel mit Nachsprechen und Malen. Sie schauen außerdem in den Impfpass und ins gelbe Untersuchungsheft. Die Untersuchung ist in allen Bundesländern Pflicht (LGL Bayern). Nimm das gelbe Heft und den Impfpass mit.

Gibt es eine Checkliste für die Schulreife?

Listen aus dem Netz können eine grobe Orientierung geben, ein Test sind sie nicht. Ob ein Kind bereit für die Schule ist, zeigt sich im Zusammenspiel aus Schuleingangsuntersuchung, Gesprächen mit der Kita und deinem eigenen Blick. Wenn dich ein Punkt beunruhigt, sprich ihn bei der U9 oder in der Kita an, statt allein mit einer Liste zu grübeln.

Zum Weiterlesen

Quellen

  1. Kinder- und Jugendgesundheitsdienst des Gesundheitsamts Pankow von Berlin: Hurra, ich komme in die Schule! Tipps zum Schulanfang, berlin.de
  2. Diamond (2013): Executive Functions, Annual Review of Psychology
  3. Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Die Schuleingangsuntersuchung, lgl.bayern.de
  4. BIÖG (früher BZgA): Elternbrief zur U9, kindergesundheit-info.de
  5. Diamond & Lee (2011): Interventions shown to aid executive function development in children 4 to 12 years old, Science
  6. Diamond & Ling (2016): kritische Übersicht zu Programmen für exekutive Funktionen, Developmental Cognitive Neuroscience

Dieser Artikel ist eine Hilfe für den Familienalltag. Er ersetzt keine Diagnose und keine ärztliche, psychotherapeutische oder ergotherapeutische Beratung. Mehr dazu