Schwungübungen für Vorschule und 1. Klasse: groß anfangen

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Schwungübungen sind fließende Linien wie Wellen, Girlanden, Arkaden, Schleifen und Spiralen, die Kinder in einem Zug malen oder nachfahren, meist bevor die ersten Buchstaben kommen. Ein einfacher Einstieg: groß anfangen, in der Luft und stehend an der Wand, und erst danach mit dem Stift aufs Papier gehen.

Was Schwungübungen sind und was man darüber weiß

Beim Schreiben muss die Hand vieles zugleich: den Stift locker halten, gleichmäßig drücken, von links nach rechts wandern und Bögen in der richtigen Richtung ziehen. Eine Übersichtsarbeit nennt als Bausteine der Handschrift unter anderem Feinmotorik, das Zusammenspiel beider Hände, Auge-Hand-Koordination, Bewegungsplanung und Aufmerksamkeit (Feder & Majnemer 2007).

Bei Schwungübungen geht es um einen Teil davon: den Fluss der Bewegung, die Richtung und den Rhythmus, noch ohne Buchstaben. Dein Kind muss sich keine Buchstabenform merken und kann ganz bei der Bewegung bleiben.

Ob und wie stark Schwungübungen das spätere Schreiben beeinflussen, ist kaum untersucht. Wir sehen sie deshalb als Spiel mit Linien, nicht als Training. Dein Kind malt eine Welle, eine Reihe Bögen oder eine Spirale, mal groß an der Wand, mal klein auf Papier, und schaut, wohin die Linie läuft.

Eine systematische Übersicht zu Schulkindern mit Schreibschwierigkeiten kam zu einem klaren Ergebnis: Förderprogramme ohne echtes Schreibüben und solche mit weniger als 20 Übungseinheiten zeigten keine Wirkung (Hoy et al. 2011). Schwungübungen ersetzen also kein Schreibenlernen. Buchstaben übt dein Kind in der Schule und beim Schreiben selbst.

Vom Großen ins Kleine: Luft, Wand, Papier

Ein Therapiedienst des britischen Gesundheitssystems NHS empfiehlt, groß anzufangen: Formen mit dem ganzen Arm in die Luft malen und große Papierbögen an die Wand hängen statt kleiner Blätter (NHS Somerset). An der Wand ist Platz für Bögen, die so breit sind wie der ganze Arm, und dein Kind steht dabei.

  1. In der Luft: Dein Kind malt mit gestrecktem Arm große Formen in die Luft, die Augen folgen der Hand. So funktionieren die Großen Luftfiguren, für die eine Karte an der Wand als Vorlage reicht.
  2. An der Wand: Ein Blatt oder ein Stück Tapete hängt auf Schulterhöhe, dein Kind steht davor. Bei der Großen Schleife fährt es eine große offene Schleife in einer langsamen Bewegung nach, bei der Ruhe-Spur an der Wand fährt es Formen mit beiden Händen nach, im Takt mit dem Atem.
  3. Auf dem Tisch mit dem Finger: Bei der Wellen-Spur fährt dein Kind eine bunte Wellenlinie langsam mit dem Finger nach. Auch Sand, Mehl oder Rasierschaum auf einem Tablett eignen sich zum Nachspuren.
  4. Mit dicker Kreide oder Wachsmalstiften: auf großem Papier am Boden, an der Tafel oder draußen auf den Gehwegplatten.
  5. Mit dem Stift auf normalem Papier: erst ohne Linien, später zwischen breiten Linien, und die Schwünge werden kleiner.

Geh erst eine Stufe weiter, wenn die vorige sicher klappt. Wird es zu schwer, geh ohne Kommentar zurück. Weitere Bewegungsspiele für Arme und Hände findest du bei den Übungen für Körper und Koordination.

Welche Formen in welcher Reihenfolge

Vor den Schwüngen lernen Kinder einfache Grundformen. Ein NHS-Therapiedienst nennt als grobe Altersnormen: eine senkrechte Linie mit etwa zwei Jahren, eine waagerechte Linie und einen Kreis mit etwa drei, ein Kreuz mit etwa vier, ein Quadrat mit etwa viereinhalb und ein Dreieck mit gut fünf Jahren. Zuerst schaut das Kind zu, wie ein Erwachsener die Form malt, dann malt es sie selbst (NHS Somerset). Das sind Durchschnittswerte, keine Fristen.

Für die Schwünge selbst bietet sich eine Reihenfolge an, in der jede Form etwas Neues dazubringt:

  • Wellen: weich auf und ab, ohne Spitzen. Gut für den Anfang, weil die Hand nie anhalten muss.
  • Zacken: auf und ab mit Spitzen. Hier wechselt die Hand kurz die Richtung.
  • Girlanden: unten rund, oben offen, wie eine Kette aus u. Sie stecken in Buchstaben wie u und w.
  • Arkaden: oben rund, unten offen, wie eine Reihe aus n. Sie stecken in n, m und h.
  • Schleifen: kleine Kreise, die sich überkreuzen und weiterlaufen, wie im verbundenen e oder l.
  • Spiralen: von außen nach innen und wieder hinaus. Dabei ändert sich die Größe gleichmäßig.
  • Liegende Acht: verbindet beide Drehrichtungen in einer Form.

Kreise und Spiralen malt dein Kind am besten linksherum, also gegen den Uhrzeigersinn, denn so werden auch o, a und d geschrieben. Bei der liegenden Acht kreuzt die Hand die Körpermitte, was es damit auf sich hat, steht in Mittellinie kreuzen: was das bedeutet und 6 Spiele dafür.

Stift und Sitzhaltung in Kürze

Sobald der Stift dazukommt, hilft eine bequeme Haltung: aufrecht sitzen, die Füße flach auf dem Boden, die Unterarme liegen auf dem Tisch, das Blatt liegt leicht schräg. Ein Stapel Bücher unter den Füßen hilft, wenn der Stuhl zu hoch ist.

Beim Stift ist weniger Strenge nötig, als viele denken. Mit etwa vier Jahren halten viele Kinder ihn zwischen den Spitzen der ersten drei Finger (BIÖG). Manche Kinder halten den Stift auch etwas anders. Achte vor allem darauf, dass die Hand locker bleibt und nicht verkrampft.

Ein Zeichen für zu viel Druck: Das Papier wellt sich, die Mine bricht, oder die Hand tut nach ein paar Minuten weh. Dann lieber zurück zur Wand oder zur dicken Kreide.

Wie oft und wie lange

Ein paar Minuten reichen, etwa zwei, drei Schwünge an der Wand und eine Reihe auf dem Papier. Lieber öfter kurz als selten lang. Was das Üben leichter macht:

  • Ein oder zwei Formen pro Runde, nicht das ganze Blatt.
  • Mit Musik: Wellen zu einem langsamen Lied, Zacken zu einem schnellen.
  • Abwechseln: Einmal malst du vor, einmal dein Kind, und du malst nach.
  • Aufhören, solange es noch Spaß macht.

Krumme Linien sind dabei kein Problem. Es geht um die Bewegung, nicht um ein schönes Blatt. Wer mag, darf seine Lieblingswelle mit Farbe nachmalen oder Punkte in die Bögen setzen.

In der Vorschule ist alles freiwillig und Spiel. In der 1. Klasse üben die Kinder Buchstaben ohnehin in der Schule. Zuhause kann ein großer Schwung in der Luft oder an der Wand vor den Hausaufgaben ein kurzes Aufwärmen sein, mehr braucht es meist nicht.

Von den Bögen zur Schreibschrift

In der verbundenen Schrift hängen die Buchstaben aneinander. Girlanden, Arkaden und Schleifen tauchen dort ständig auf, in den Buchstaben selbst und in den Verbindungen dazwischen. Darum stehen Schwungübungen in der Grundschule oft am Anfang, wenn die Schreibschrift beginnt.

Welche verbundene Schrift dein Kind lernt, ist in Deutschland nicht einheitlich. Wie unterschiedlich das sein kann, zeigt Bremen: Dort entscheidet laut einer Vorlage der Bildungsbehörde von 2016 jede Schule als Ganzes, ob nach der Druckschrift die Vereinfachte Ausgangsschrift kommt oder ob sie mit der Grundschrift arbeitet. Im Schuljahr 2016/17 arbeiteten dort 28 Schulen mit der Grundschrift (Senatorin für Kinder und Bildung Bremen 2016). Frag bei der Schule nach, welche Schrift dort gilt. Dann kannst du zuhause dieselben Bögen nehmen, die auch im Heft stehen.

Wann du dir Hilfe holen solltest

Krakelige Wellen sind mit fünf Jahren normal, und nicht jedes Kind mag Schwungübungen. Das allein ist kein Grund zur Sorge.

Manchen Kindern fallen Malen, Basteln und Schreiben über lange Zeit deutlich schwerer als Gleichaltrigen. Für diese Fälle gibt es eine ärztliche Leitlinie zu umschriebenen Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen (AWMF-Leitlinie UEMF).

Wenn dein Kind über längere Zeit beim Malen, Schneiden und Schreiben viel mehr Mühe hat als andere Kinder und darunter leidet, sprich mit der Lehrkraft und mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt. Die Praxis kann bei Bedarf eine Ergotherapie verordnen. Eine Checkliste zur Selbstdiagnose gibt es hier bewusst nicht. Ob ein Kind Unterstützung braucht, kann nur eine Fachperson zusammen mit euch einschätzen.

Passende Übungen

Häufige Fragen

Warum sind Schwungübungen in der Vorschule wichtig?

Wichtig ist ein großes Wort. In der Vorschule sind Schwungübungen ein Spiel mit Bewegungen, die später in Buchstaben stecken, ohne dass sich dein Kind schon Buchstaben merken muss. Ob sie das Schreiben später leichter machen, ist kaum untersucht. In einer Übersichtsarbeit zu Schulkindern mit Schreibschwierigkeiten blieben Programme ohne echtes Schreibüben ohne Wirkung (Hoy et al. 2011).

Ab wann können Kinder mit Schwungübungen anfangen?

Große Schwünge in der Luft oder an der Wand gehen schon mit drei Jahren, als Spiel. Einen Kreis malen viele Kinder mit etwa drei, ein Kreuz mit etwa vier Jahren (NHS Somerset). Schwünge mit dem Stift auf Papier passen eher ins letzte Kita-Jahr und in die 1. Klasse. Hat dein Kind keine Lust, lass es und versucht es ein paar Wochen später wieder.

Gibt es Schwungübungen zum Ausdrucken?

Ja. Für die Große Schleife und die Ruhe-Spur an der Wand gibt es auf den Übungsseiten ein freies Blatt zum Ausdrucken, die Wellen-Spur ist Teil der Spielemappe. Ein Blatt ersetzt aber nicht den großen Anfang: Hängt es an der Wand, kommen Schulter und Arm mit ins Spiel. Für den Anfang reicht auch ein leeres Blatt ohne Linien.

Was haben Schwungübungen mit der Schreibschrift zu tun?

Girlanden, Arkaden und Schleifen kommen in der verbundenen Schrift ständig vor, darum stehen Schwungübungen oft am Anfang. Belege, dass Schwungübungen allein die Schreibschrift flüssiger machen, gibt es kaum. In einer Übersicht zur Schreibförderung blieben Programme ohne echtes Schreiben ohne Wirkung (Hoy et al. 2011). Übt also auch die Buchstaben und ihre Verbindungen selbst, kurz und regelmäßig.

Zum Weiterlesen

Quellen

  1. Feder & Majnemer (2007): Handwriting development, competency, and intervention, Developmental Medicine & Child Neurology
  2. Hoy et al. (2011): A systematic review of interventions to improve handwriting, Canadian Journal of Occupational Therapy
  3. Somerset NHS Foundation Trust, Children and Young People’s Therapy Service: Pre-writing activities
  4. BIÖG: Vom Greifen bis zur Fingerfertigkeit (Hand- und Fingermotorik), kindergesundheit-info.de
  5. AWMF S3-Leitlinie Umschriebene Entwicklungsstörungen motorischer Funktionen (UEMF), Registereintrag 022-017
  6. Die Senatorin für Kinder und Bildung Bremen (2016): Anpassungen der Regelungen zum Schriftspracherwerb, Vorlage L 50/19

Dieser Artikel ist eine Hilfe für den Familienalltag. Er ersetzt keine Diagnose und keine ärztliche, psychotherapeutische oder ergotherapeutische Beratung. Mehr dazu