Morgenroutine für Kinder: so wird der Morgen ruhiger
Eine Morgenroutine für Kinder ist eine feste Reihenfolge der Schritte vom Aufstehen bis zur Haustür, die jeden Tag gleich bleibt. Am besten klappt sie, wenn dein Kind immer nur den nächsten Schritt sieht und nicht die ganze Liste.
Warum Kinder morgens trödeln
Für Erwachsene ist der Morgen eine Kette von Handgriffen, die von selbst ablaufen. Für ein Kind ist er eine lange Reihe einzelner Aufgaben: aufstehen, auf die Toilette, waschen, anziehen, frühstücken, Zähne putzen, Tasche, Jacke, Schuhe. Jede davon ist leicht. Schwer ist, die Reihenfolge im Kopf zu behalten.
Diese Fähigkeit, mehrere Dinge im Kopf zu halten und der Reihe nach abzuarbeiten, nennen Fachleute Arbeitsgedächtnis. Sie reift über die ganze Kindheit langsam heran (Diamond 2013). Ein Kind mit sechs Jahren kann sich deutlich weniger Aufträge auf einmal merken als ein Kind mit zehn.
Was wie Trödeln aussieht, ist deshalb oft eine verlorene Reihenfolge. Dein Kind steht im Flur, hat die Socken an und weiß nicht mehr, was danach kam. Dann fällt der Blick auf ein Spielzeug, und der Morgen hat eine Pause, die du nicht eingeplant hast.
Das ist kein Trotz und keine Faulheit. Es heißt nur, dass die Reihenfolge außerhalb des Kopfes besser aufgehoben ist: an der Wand, auf Karten, an einer festen Stelle im Flur.
Den Morgen am Abend vorbereiten
Der ruhigste Morgen beginnt am Abend davor. Alles, was sich am Abend erledigen lässt, fehlt morgens auf der Liste. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Entscheidungen, und Entscheidungen kosten morgens am meisten Nerven.
- Kleidung für den nächsten Tag zusammen aussuchen und an einen festen Platz legen.
- Schultasche oder Kitarucksack packen und neben die Tür stellen.
- Trinkflasche und Brotdose bereitstellen, so weit es geht.
- Schuhe und Jacke an ihren Platz bringen, nicht irgendwohin.
- Die Routinekarten für den Morgen in die richtige Reihenfolge hängen.
Lass dein Kind dabei so viel wie möglich selbst machen. Wer am Abend die Hose selbst ausgesucht hat, streitet am Morgen seltener darüber. Und wer selbst gepackt hat, weiß, wo die Turnschuhe sind.
Auch die Zeit zum Schlafengehen gehört zum Morgen. Wie viel Schlaf ein Kind braucht, ist sehr verschieden. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit nennt für Schulkinder etwa elf Stunden als Durchschnitt und betont, dass einzelne Kinder davon deutlich abweichen (BIÖG, Schlafbedarf). Rechne vom Wecker aus zurück und schau, ob der Abend dazu passt.
Ein Schritt nach dem anderen statt einer langen Liste
Eine Liste mit zehn Punkten am Kühlschrank sieht ordentlich aus, hilft aber wenig. Dein Kind muss sie lesen, die richtige Stelle finden und sich merken, wo es gerade ist. Besser ist ein Ablauf, bei dem immer nur ein Schritt sichtbar ist.
- Lege fest, welche Schritte der Morgen wirklich braucht. Fünf bis acht reichen fast immer.
- Gib jedem Schritt eine Karte mit einem Bild, auch für Kinder, die schon lesen können. Ein Bild erkennt man im Vorbeigehen.
- Hänge die Karten in der Reihenfolge an eine feste Stelle, zum Beispiel an die Tür des Kinderzimmers oder in den Flur.
- Ist ein Schritt erledigt, dreht dein Kind die Karte um oder hakt sie in der Leiste ab. Dann ist der nächste dran.
- Sag statt einer Aufzählung nur einen Satz: „Schau mal, was als Nächstes kommt.“
Der letzte Punkt ist der wichtigste. Wenn du alles aufzählst, hört dein Kind meist nur den Anfang oder das Ende. Wenn du auf die Karte zeigst, bleibt die Reihenfolge da, wo sie hingehört: außerhalb des Kopfes.
Eine feste Reihenfolge gibt auch Halt. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit nennt klare Regeln und Strukturen als einen Grundpfeiler einer kindgerechten Erziehung, weil Kinder damit vorhersehen können, was als Nächstes passiert (BIÖG, Kinder gut erziehen).
Routinekarten zum Ausdrucken
Damit du nicht selbst zeichnen musst, gibt es weiter unten zwei Blätter zum Ausdrucken. Auf dem ersten sind acht Bildkarten für den Morgen: aufstehen, waschen, anziehen, frühstücken, Zähne putzen, Trinkflasche, Schultasche und Schuhe. Die neunte Karte ist leer, für einen Schritt, den es nur bei euch gibt.
Das zweite Blatt ist eine Leiste mit sechs Feldern. Jedes Feld hat ein Würfelbild als Nummer und einen Kreis zum Abhaken. Ihr klebt die ausgeschnittenen Karten in die Felder oder malt eigene Bilder hinein.
- Druck die Karten auf festeres Papier oder klebe sie auf Pappe, dann halten sie länger.
- Unter jedem Bild ist eine Linie, auf die du oder dein Kind das Wort schreiben könnt.
- Wer die Leiste in eine Klarsichthülle steckt, kann die Kreise mit einem abwischbaren Stift abhaken und jeden Morgen neu anfangen.
Die Karten passen auch zum Abend und zum Nachmittag. Ein Tagesplan mit denselben Bildern hilft, wenn dein Kind auch den Rest des Tages vorher sehen möchte.
Kleine Schritte zählen
Am Anfang klappt selten die ganze Leiste. Das ist normal. Zähle deshalb jeden einzelnen Schritt, nicht nur den fertigen Morgen. Wer vier von sechs Kreisen abgehakt hat, hat vier Dinge geschafft und nicht zwei vergessen.
Sag deinem Kind konkret, was du gesehen hast: „Du hast heute ohne Erinnerung die Zähne geputzt.“ Solches Lob wirkt auf die Lust, weiterzumachen, eher günstig, wenn es ehrlich gemeint ist und sich auf etwas bezieht, das dein Kind selbst in der Hand hatte (Henderlong & Lepper 2002).
Wenn ihr mit Punkten arbeiten möchtet, gilt dasselbe: ein Punkt pro Schritt, sofort nach dem Schritt, und kein Punkt wird wieder weggenommen. Genau so arbeitet auch die Teselora App, die den Morgen als Karten zeigt.
Zwei Minuten Bewegung vor dem Losgehen
Zwischen Frühstück und Haustür entsteht oft ein Loch: Die Schuhe sind noch nicht an, aber alle warten schon. Ein kurzes Spiel füllt diese Lücke und macht den Abschied leichter.
Beim Überkreuz-Marsch marschiert ihr zusammen im Flur und tippt mit dem Ellbogen auf das gegenüberliegende Knie. Bei Rot heißt Stopp läuft dein Kind bei „grün“ zur Tür und erstarrt bei „rot“. Beides dauert zwei Minuten und bringt alle zum Lachen.
Für Kinder, die gern Aufträge erfüllen, passt die Auftragskette: Du gibst zwei oder drei Aufträge in einem Satz, zum Beispiel „Hol deine Mütze, gib mir den Schlüssel und stell dich an die Tür“. Weitere Spiele dieser Art findest du bei den Gedächtnisübungen für Kinder.
Wenn es trotzdem kippt
Es wird Morgen geben, an denen nichts klappt. Das Kind hat schlecht geschlafen, die Lieblingshose ist in der Wäsche, der Bus kommt gleich. An solchen Tagen hilft keine Karte der Welt. Wichtig ist, was danach passiert.
- Bleib bei der Reihenfolge, auch wenn du hilfst. „Ich ziehe dir heute die Socken an, dann kommt die Hose“ ist besser als hektisches Durcheinander.
- Lass einzelne Schritte bewusst weg, statt alles durchzuziehen. Kämmen kann heute im Auto passieren.
- Sprich am Nachmittag in Ruhe darüber, nicht im Flur. Frag dein Kind, welcher Schritt am schwersten war.
- Ändere den Plan, wenn derselbe Schritt jeden Tag hakt. Vielleicht gehört er an den Abend.
Eine Routine ist kein Test, den dein Kind besteht oder nicht. Sie ist ein Werkzeug, das ihr gemeinsam anpasst. Familien unterscheiden zwischen festen Abläufen, die einfach erledigt werden, und kleinen Ritualen, die etwas bedeuten, wie ein bestimmter Abschiedsgruß an der Tür (Fiese et al. 2002). Beides darf im Morgen vorkommen.
Zum Ausdrucken
Routinekarten für den MorgenAcht Bildkarten zum Ausschneiden: aufstehen, waschen, anziehen, frühstücken, Zähne putzen, Trinkflasche, Schultasche, Schuhe, dazu eine leere Karte.
MorgenleisteSechs Felder mit Würfelbild als Nummer und einem Kreis zum Abhaken. Karten hineinkleben oder eigene Bilder malen.
Kostenlos und ohne Anmeldung. Jedes Blatt passt auf A4.
Passende Übungen
- 27AuftragsketteGanze Anleitung in der SpielemappeMehrere Aufträge auf einmal hören, wiederholen und der Reihe nach erledigen.
- 20Überkreuz-MarschGanze Anleitung in der SpielemappeEllbogen und gegenüberliegendes Knie treffen sich, im ruhigen Marschtakt.
- 23Rot heißt StoppGanze Anleitung in der SpielemappeBei Grün losgehen, bei Rot sofort wie eine Statue erstarren.
- 25Klatsch-EchoGanze Anleitung in der SpielemappeDu klatschst einen Rhythmus, dein Kind klatscht ihn genau nach.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter funktioniert eine Morgenroutine mit Karten?
Bildkarten verstehen schon Kinder im Kindergartenalter. Mit drei oder vier Jahren reichen drei bis vier Karten, zum Beispiel anziehen, frühstücken, Zähne putzen, Schuhe. Schulkinder schaffen meist sechs bis acht Schritte und hängen die Karten gern selbst um.
Was, wenn Geschwister mitmachen?
Gib jedem Kind seine eigene Leiste, auch wenn die Schritte gleich sind. Dann vergleicht sich niemand und jeder hakt seine eigenen Kreise ab. Bei kleinen Kindern kann ein älteres Geschwister die Karten vorlesen, das macht beide stolz.
Wie lange dauert es, bis die Routine läuft?
Das ist von Familie zu Familie verschieden. Plane die ersten zwei Wochen als Übungszeit ein, in der du noch viel zeigst und erinnerst. Danach zeigst du immer seltener auf die Karten. Nach Ferien oder Krankheit braucht es oft ein paar Tage, bis alles wieder sitzt.
Sollen wir morgens einen Wecker oder eine Uhr nutzen?
Für jüngere Kinder ist eine Uhrzeit wenig greifbar. Hilfreicher ist ein fester Schritt, an dem ihr seht, ob ihr gut in der Zeit seid, etwa: Wenn die Zähne geputzt sind, ist der große Zeiger noch nicht unten. Ältere Kinder können mit einer Uhr im Flur gut umgehen.
Zum Weiterlesen
Quellen
- Diamond (2013): Executive Functions, Annual Review of Psychology
- BIÖG: Kinder gut erziehen, kindergesundheit-info.de
- BIÖG: Schlafbedarf von Kindern, kindergesundheit-info.de
- Henderlong & Lepper (2002): The effects of praise on children's intrinsic motivation, Psychological Bulletin
- Fiese et al. (2002): A review of 50 years of research on naturally occurring family routines and rituals, Journal of Family Psychology