Familienregeln: so stellt ihr sie gemeinsam auf

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Familienregeln sind wenige, klare Absprachen, die für alle in eurem Zuhause gelten, zum Beispiel „Wir gehen drinnen“ oder „Nach dem Spielen räumen wir auf“. Gut tragen sie, wenn ihr sie gemeinsam aufstellt, positiv formuliert, mit Bildern sichtbar macht und ab und zu überprüft.

Warum drei bis fünf Regeln reichen

Viele Familien starten mit guten Vorsätzen und einer langen Liste: nicht schreien, nicht rennen, nicht mit vollem Mund reden, Schuhe aus, Zimmer aufräumen, Bildschirm aus um sieben. Nach einer Woche weiß niemand mehr so genau, was eigentlich gilt.

Die US-Behörde CDC schreibt, dass Kinder im Kleinkind- und Kindergartenalter nur zwei bis drei Regeln auf einmal lernen und behalten können (CDC, Tips for Creating Rules). Das Stadtjugendamt München vergleicht Regeln mit Wegweisern und gibt zu bedenken, dass ein Kind bei zu vielen Regeln seinen eigenen Orientierungssinn nicht entwickeln kann (Stadtjugendamt München, Grenzen setzen mit Respekt).

Für Kindergartenkinder sind deshalb zwei bis drei Regeln ein guter Anfang, für Schulkinder drei bis fünf. Tägliche Aufgaben wie Zähneputzen oder Tasche packen gehören in den Tagesablauf und nicht auf das Regelplakat. In der Teselora App werden solche täglichen Absprachen zum Beispiel zu Karten für morgens, nachmittags oder abends.

Positiv und konkret formulieren

Ein Satz mit „nicht“ sagt deinem Kind, was es lassen soll, aber nicht, was es stattdessen tun kann. „Nicht rennen“ lässt offen, ob schleichen, hüpfen oder kriechen gemeint ist. „Wir gehen drinnen“ zeigt das Ziel. Die CDC beschreibt eine Familienregel als konkrete, klare Aussage darüber, was ihr von eurem Kind erwartet (CDC).

  • „Nicht schreien“ wird zu „Drinnen sprechen wir mit leiser Stimme“.
  • „Nicht hauen“ wird zu „Wir halten Hände und Füße bei uns“.
  • „Lass nicht alles rumliegen“ wird zu „Nach dem Spielen räumen wir zusammen auf“.
  • „Nicht dazwischenreden“ wird zu „Wir lassen einander ausreden“.
  • „Kein Handy beim Essen“ wird zu „Beim Essen liegen alle Handys in der Schublade“.

Das „wir“ ist kein Zufall. Es macht aus einer Ansage an das Kind eine Abmachung für alle. Und es klingt am Küchentisch freundlicher als jedes „du sollst“.

Familienregeln aufstellen im Familienrat

Wenn dein Kind die Regeln mit ausdenkt, sind es auch seine Regeln. Ein guter Rahmen dafür ist ein Familienrat: ein kurzes, regelmäßiges Treffen aller, die zusammen wohnen.

Die amerikanische Kinderärztevereinigung AAP empfiehlt für solche Treffen einen festen, angenehmen Zeitpunkt, etwa nach dem Abendessen, und höchstens 20 bis 30 Minuten. Jeder darf ohne Kritik und Unterbrechung sprechen, die wichtigsten Absprachen werden festgehalten, und bei schwierigen Entscheidungen haben die Eltern das letzte Wort (AAP, How to Have a Family Meeting).

  1. Einen festen Termin wählen, zum Beispiel sonntags nach dem Abendessen. Alle sitzen am Tisch, die Handys liegen woanders.
  2. Kurz sagen, worum es geht: „Wir überlegen heute, welche drei Regeln bei uns gelten sollen.“
  3. Reihum sammeln: Was stört dich zuhause? Was wünschst du dir? Jeder kommt dran, auch das kleinste Kind.
  4. Zusammen die drei bis fünf wichtigsten Punkte auswählen und als „Wir“-Satz formulieren.
  5. Für jede Regel besprechen, was passiert, wenn sie mal nicht klappt.
  6. Alles aufschreiben oder malen und den nächsten Termin ausmachen. Zum Schluss darf jeder sagen, wie er das Treffen fand.

Mit Kindergartenkindern dauert ein Familienrat zehn Minuten, nicht dreißig. Wenn dein Kind unruhig wird, ist das Treffen eben vorbei, und ihr macht beim nächsten Mal weiter.

Ein Plakat mit Bildern für alle, die noch nicht lesen

Eine Regel, die nur im Kopf der Erwachsenen steht, gibt es für ein Kind kaum. Hängt die Regeln deshalb dort auf, wo alle vorbeikommen, im Flur oder am Kühlschrank. Weil viele kleine Kinder noch nicht lesen können, rät die CDC zu Bildern und Symbolen auf dem Plakat (CDC).

  • Pro Regel ein Bild: zwei Füße für „Wir gehen drinnen“, eine Spielzeugkiste für das Aufräumen, ein Ohr für das Ausreden lassen.
  • Dein Kind malt die Bilder selbst oder ihr macht Fotos, auf denen es die Regel vormacht.
  • Der Satz steht groß unter dem Bild, damit Schulkinder ihn lesen können.
  • Alle unterschreiben, kleine Kinder mit einem Handabdruck.
  • Das Plakat hängt auf Augenhöhe deines Kindes, nicht auf deiner.

Fertige Vorlagen zum Ausdrucken sehen ordentlicher aus. Ein selbst gemaltes Plakat zeigt dafür eure eigenen Regeln, und dein Kind erkennt seine Bilder sofort wieder.

Regeln gelten für alle, auch für Erwachsene

Kinder schauen genau hin, ob die Großen sich an dieselben Regeln halten. Wer „Beim Essen liegen alle Handys in der Schublade“ aufhängt und dann selbst Nachrichten liest, hat die Regel praktisch abgeschafft. Die CDC betont, dass dein Kind sehen soll, wie sich alle in der Familie an die Regeln halten (CDC).

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit erinnert daran, dass Kinder viel durch Nachahmen lernen, und rät Eltern, sich auch entschuldigen zu können (BIÖG, Kinder gut erziehen). Bei Bildschirmen gilt das besonders. Das BIÖG empfiehlt, mit dem Kind feste Regeln für die Mediennutzung zu vereinbaren und den eigenen Umgang mit Medien zu überprüfen (BIÖG, Mediennutzung).

Wenn du selbst eine Regel brichst, sag es: „Ich habe gerade laut geschimpft, obwohl wir drinnen leise sprechen wollten. Das tut mir leid.“ So sieht dein Kind, dass die Regel auch für dich zählt.

Regeln für Kinder zuhause: Beispiele nach Alter

Welche Regeln passen, hängt vom Alter und von eurem Alltag ab. Die Beispiele sind Vorschläge. Nehmt euch zwei bis fünf heraus, statt alle aufzuhängen.

Mit drei bis fünf Jahren:

  • Wir gehen drinnen.
  • Wir halten Hände und Füße bei uns.
  • Nach dem Spielen räumen wir zusammen auf.
  • Wir sagen Bescheid, bevor wir aus dem Garten gehen.

Mit sechs bis neun Jahren:

  • Wir lassen einander ausreden.
  • Wir klopfen an, wenn eine Tür zu ist.
  • Wer etwas kaputt macht, sagt Bescheid und hilft beim Reparieren.
  • Bildschirme gibt es zu den Zeiten, die wir vereinbart haben.

Ab zehn Jahren:

  • Wir sagen, wohin wir gehen und wann wir zurück sind.
  • Nachts schlafen alle Handys in der Küche, auch die der Eltern.
  • Wir fragen, bevor wir etwas von anderen nehmen.
  • Streit klären wir, wenn alle wieder ruhig sind.

Wenn eine Regel gebrochen wird

Regeln werden gebrochen. Das gehört dazu und heißt nicht, dass die Regel falsch ist. Es kommt darauf an, wie du darauf reagierst.

  • Ruhig erinnern: Zeig auf das Plakat und sag den Satz, „Wir gehen drinnen.“ Manchmal reicht das schon.
  • Das Geschehene benennen, nicht das Kind. Das BIÖG rät, nie die Person zu kritisieren. Also nicht „Du bist so wild“, sondern „Du bist durch den Flur gerannt“ (BIÖG).
  • Folgen vorher ankündigen: Die AAP empfiehlt, ruhig und bestimmt zu erklären, was passiert, wenn eine Regel nicht eingehalten wird. Ihr Beispiel: Spielzeug, das nicht aufgeräumt wird, kommt für den Rest des Tages weg (AAP).
  • Folgen passend wählen: Das Stadtjugendamt München rät zu Konsequenzen, die direkt mit dem Geschehenen zusammenhängen, etwa verschütteten Saft gemeinsam aufwischen, und davon ab, Folgen anzudrohen, die du nicht einhalten kannst (Stadtjugendamt München).

Der Unterschied zur Strafe: Eine Folge hat mit der Regel zu tun, ist vorher bekannt und bleibt fair. Fernsehverbot, weil jemand im Flur gerannt ist, ist eine Strafe. Wer mit Filzstift die Wand bemalt, hilft beim Abwaschen: Das ist eine Folge.

Punkte und Belohnungen haben mit Regeln nichts zu tun. Wie ein fairer Punkteplan ohne Abzug aussieht, steht im Artikel Belohnungssystem für Kinder.

Regeln regelmäßig überprüfen

Regeln sind nicht für immer. Das Stadtjugendamt München rät, Regeln „mitwachsen“ zu lassen (Stadtjugendamt München). Was mit vier Jahren passt, fühlt sich mit acht kindisch an.

Schaut im Familienrat alle paar Wochen auf das Plakat. Welche Regel klappt inzwischen von selbst? Die darf runter, und ihr dürft das ruhig feiern. Welche Regel hakt jede Woche? Vielleicht ist sie zu ungenau formuliert, zu schwer für das Alter oder passt nicht zu eurem Alltag.

Neue Regeln kommen dazu, wenn sich etwas ändert: ein Geschwisterkind, das erste eigene Handy, ein Umzug. Erklärt dann, warum es die neue Regel gibt, und hängt das Plakat neu auf.

Häufige Fragen

Wie viele Regeln brauchen Kinder?

Weniger, als die meisten Eltern denken. Für Kindergartenkinder reichen zwei bis drei Regeln, weil sie nur wenige auf einmal lernen und behalten können (CDC). Schulkinder kommen mit drei bis fünf gut zurecht. Wichtiger als die Zahl ist, dass jede Regel kurz, positiv und verständlich ist und dass alle sich daran halten.

Was tun, wenn sich mein Kind nicht an Regeln hält?

Erst einmal ruhig erinnern, am besten mit einem Blick auf das Plakat. Hakt dieselbe Regel immer wieder, prüft im Familienrat, ob sie zu unklar, zu schwer oder eine von zu vielen ist. Folgen sollten vorher bekannt sein und mit der Regel zu tun haben. Wenn zuhause gar nichts mehr geht, findest du Unterstützung bei einer Erziehungsberatungsstelle in deiner Nähe.

Wie kann man Regeln für Kinder bildlich darstellen?

Mit einem Bild pro Regel: zwei Füße für langsames Gehen, eine Spielzeugkiste für das Aufräumen, ein Ohr für das Zuhören. Am schönsten wird es, wenn dein Kind die Bilder selbst malt oder ihr Fotos macht, auf denen es die Regel vormacht. Schreibt den Satz groß darunter und hängt das Plakat auf Augenhöhe deines Kindes auf.

Was ist die Methode Familienrat?

Gemeint ist hier ein kurzes, regelmäßiges Treffen der ganzen Familie, bei dem alle reihum zu Wort kommen und ihr gemeinsam Absprachen trefft, etwa einmal pro Woche nach dem Abendessen. Unter dem Namen Familienrat gibt es auch ein Verfahren der Kinder- und Jugendhilfe, bei dem Familien mit ihrem Umfeld über Unterstützung beraten. Das ist etwas anderes.

Zum Weiterlesen

Quellen

  1. CDC: Tips for Creating Rules, cdc.gov
  2. Landeshauptstadt München, Stadtjugendamt: Grenzen setzen mit Respekt. Gewaltfreie Erziehung (Reihe Erziehungsfragen)
  3. American Academy of Pediatrics: How to Have a Family Meeting, HealthyChildren.org
  4. American Academy of Pediatrics: What’s the best way to discipline my child?, HealthyChildren.org
  5. BIÖG: Kinder gut erziehen, kindergesundheit-info.de
  6. BIÖG: Wie oft und wie lange dürfen Kinder Medien nutzen?, kindergesundheit-info.de

Dieser Artikel ist eine Hilfe für den Familienalltag. Er ersetzt keine Diagnose und keine ärztliche, psychotherapeutische oder ergotherapeutische Beratung. Mehr dazu