Aufgaben im Haushalt für Kinder: was in welchem Alter passt

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Aufgaben im Haushalt für Kinder sind kleine, feste Beiträge zum Familienalltag, die zu Alter und Kräften passen: Zweijährige suchen Sockenpaare, Achtjährige saugen Staub. Am besten klappt es, wenn du eine Aufgabe zuerst vormachst, sie in kleine Schritte teilst und deinem Kind nach und nach mehr davon überlässt.

Warum schon die Kleinsten mithelfen wollen

Wer mit einem Zweijährigen Wäsche aufgehängt hat, kennt das: Jede Socke wird einzeln gereicht, jede Klammer genau angeschaut. Schneller wird es so nicht. Aber dein Kind ist mit ganzer Begeisterung dabei.

Diese Lust zu helfen zeigt sich sehr früh. In einer Untersuchung mit Familien in den USA half die Mehrzahl der Kinder schon ab etwa dem ersten Geburtstag zu Hause mit. Als Helfen zählte dort zum Beispiel, den Boden zu fegen, Wäsche in die Maschine zu stecken oder vor dem Essen Teller auf den Tisch zu stellen (Dahl 2015).

Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik in Bayern beschreibt dasselbe aus dem Alltag: Kleine Kinder sind oft begeistert dabei, wenn sie tun dürfen, was sie bei den Großen beobachten. Bei Jugendlichen hat sich das Blatt dagegen häufig gewendet (Familienhandbuch).

Nutze diese frühe Phase, auch wenn sie am Anfang mehr Zeit kostet, als alles selbst zu machen. Die Minuten, in denen dein Kind mit dir den Tisch deckt, sind Übungszeit und gemeinsame Zeit.

Aufgaben im Haushalt: Kinder von 2 bis 12 Jahren

Die folgende Übersicht ist eine Sammlung von Vorschlägen, keine Norm. Kinder sind verschieden, und nicht jede Familie hat einen Garten oder einen Hund. Einige Beispiele für die Jüngsten stammen aus dem Familienhandbuch, die für Schulkinder aus einer Liste der Amerikanischen Akademie für Kinderheilkunde (AAP).

  • Mit 2 bis 3 Jahren: Sockenpaare suchen, die Windel in den Eimer bringen, beim Abtrocknen helfen (Plastikbecher sind ein guter Anfang), Spielsachen in die Kiste legen.
  • Mit 4 bis 5 Jahren: Eier aufschlagen, Servietten und Löffel verteilen, Schuhe ins Regal stellen, Blumen gießen, Krümel vom Tisch wischen.
  • Mit 6 bis 7 Jahren: das eigene Bett machen, den Tisch decken und abräumen, schmutzige Wäsche in den Korb bringen, Wäsche nach Farben sortieren, kleine Mülleimer leeren, Laub rechen.
  • Mit 8 bis 9 Jahren: staubsaugen, beim Kochen helfen, sich einen kleinen Snack selbst machen, die eigene Wäsche einräumen, Einkäufe auspacken, mit dem Hund rausgehen.
  • Mit 10 bis 12 Jahren: die Spülmaschine ausräumen, Bettwäsche wechseln, Wäsche waschen und falten, das Bad putzen, eine einfache Mahlzeit kochen, während ein Erwachsener in der Nähe ist.

Die AAP teilt die Altersgruppen etwas anders ein, nämlich fünf bis sieben, acht bis zehn und elf bis zwölf Jahre. Die meisten Aufgaben der letzten Zeile ordnet sie erst Elf- und Zwölfjährigen zu. Nimm die Liste deshalb als Ideensammlung und schau, was dein Kind sich zutraut.

Neue Aufgaben kommen zu den alten dazu. Und alles, was mit Messern, Herd oder Putzmitteln zu tun hat, braucht am Anfang einen Erwachsenen daneben.

Vormachen, mitmachen, zuschauen, allein

Viele Aufgaben scheitern nicht am Willen, sondern daran, dass niemand sie richtig gezeigt hat. „Deck mal den Tisch“ klingt einfach. Für ein Kind stecken darin viele Fragen: Wie viele Teller? Wo liegen die Gabeln? Bewährt hat sich ein Weg in vier Stufen:

  1. Vormachen: Du erledigst die Aufgabe, dein Kind schaut zu, und du sagst laut, was du tust. „Erst die Teller, dann rechts das Messer, links die Gabel.“
  2. Mitmachen: Ihr macht es zusammen. Dein Kind übernimmt einen Teil, zum Beispiel die Gabeln, du den Rest.
  3. Zuschauen: Dein Kind macht alles, du bist dabei und hilfst nur, wenn es fragt oder nicht weiterkommt.
  4. Allein: Die Aufgabe gehört jetzt deinem Kind. Du schaust hinterher kurz drauf und sagst, was gut geklappt hat.

Größere Aufgaben teilst du in Schritte, die man sehen kann. „Zimmer saugen“ wird zu: Sachen vom Boden aufheben, Sauger holen, unter dem Bett saugen, Sauger zurückstellen. Das Familienhandbuch rät, Kinder kleinschrittig anzuleiten, kleine Kinder zuerst nur Teilschritte übernehmen zu lassen und ihren Arbeitsfluss nicht ständig durch Korrekturen zu stören (Familienhandbuch). Die AAP empfiehlt, Schulkindern, die bisher wenig im Haushalt gemacht haben, immer nur eine neue Aufgabe auf einmal zu geben, weil eine lange Liste schnell überfordert (AAP).

Das Ergebnis wird am Anfang nicht perfekt sein. Ein Fenster, das ein Zehnjähriger geputzt hat, ist eben „anders sauber“, wie es im Familienhandbuch heißt. Wer jedes Mal nachputzt, sagt ohne Worte: Lass es lieber. Lob die Mühe, und vergleiche dein Kind nur mit sich selbst vor ein paar Wochen.

Ämtliplan: ein Aufgabenplan für die ganze Familie

In der Schweiz heißt eine kleine feste Aufgabe „Ämtli“, und der Plan, der sie verteilt, Ämtliplan. Gemeint ist eine einfache Übersicht: Wer macht was, und wann? Sie hängt dort, wo alle vorbeikommen, meist am Kühlschrank oder im Flur.

  • Sammelt zusammen, was in eurer Familie jede Woche anfällt. Kinder staunen oft, wie lang die Liste wird.
  • Gebt jedem Kind zwei oder drei feste Aufgaben, die zu seinem Alter passen. Jüngere Kinder bekommen ein Bild statt eines Worts.
  • Legt fest, wann eine Aufgabe dran ist, zum Beispiel „nach dem Abendessen“ statt „irgendwann“.
  • Tauscht die Ämtli alle ein, zwei Wochen, damit niemand für immer den Müll hat. Mit Magneten oder Wäscheklammern geht das schnell.
  • Lasst Platz zum Abhaken. Ein Haken hinter der erledigten Aufgabe zeigt deinem Kind, was es geschafft hat.

Die AAP beschreibt solche Pläne als sichtbare Erinnerung für die ganze Familie und rät, Aufgaben jeden Tag zur gleichen Zeit zu erledigen (AAP). Das Familienhandbuch empfiehlt, Aufgaben möglichst konkret abzusprechen, sie bei älteren Kindern schriftlich festzuhalten und eine Liste zum Abhaken zu nutzen. Digital geht das auch: In der Teselora App legst du Aufgaben als Karten mit einzelnen Schritten an, und dein Kind sieht morgens, nachmittags oder abends nur das, was gerade dran ist.

Das eigene Zimmer ist übrigens ein Sonderfall, weil dort fast alles Zeug deinem Kind gehört. In diesem Artikel geht es um die Aufgaben, die alle betreffen.

Helfen gehört dazu, Punkte sind ein Extra

Sollen Kinder für Hausarbeit etwas bekommen? Darüber streiten Eltern gern.

In einem Versuch mit 20 Monate alten Kindern bekam ein Teil der Kinder fürs Helfen eine kleine Belohnung, die anderen Lob oder gar nichts. Die Kinder mit Belohnung halfen danach seltener, als es nichts mehr dafür gab (Warneken & Tomasello 2008). Das ist ein einzelner Laborversuch und kein Familienalltag. Ob sich das Ergebnis auf das Leben zuhause übertragen lässt, zeigt er nicht.

Für den Alltag hilft eine einfache Trennung:

  • Grundaufgaben gehören dazu, wie bei allen anderen in der Familie auch: Teller in die Spülmaschine, Schuhe ins Regal, beim Tischdecken helfen. Dafür gibt es ein Danke, aber keine Punkte.
  • Neue oder ungeliebte Aufgaben dürfen am Anfang ein Extra bekommen. Punkte oder Sterne gibt es dann für eine Weile, bis die Aufgabe sitzt.
  • Ehrliches, konkretes Lob passt immer: „Du hast heute ohne Erinnerung den Müll rausgebracht.“

Auch die AAP nennt Taschengeld oder Sticker für erledigte Aufgaben als eine Möglichkeit, stellt aber ehrliches Lob an den Anfang (AAP). Wie ein Punkteplan fair bleibt und warum dort nie Punkte abgezogen werden, steht im Artikel Belohnungssystem für Kinder.

Kinder im Haushalt helfen: was das Gesetz sagt

Viele Eltern sind überrascht: Die Mithilfe im Haushalt steht tatsächlich im Bürgerlichen Gesetzbuch. Nach § 1619 BGB ist ein Kind, solange es zum Haushalt der Eltern gehört und von ihnen erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, „in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise“ im Hauswesen mitzuhelfen (§ 1619 BGB).

Eine Stundenzahl oder eine Liste nennt das Gesetz nicht. Es kommt auf die Kräfte des Kindes an. Tabellen mit Minuten pro Alter, die im Netz kursieren, stehen so nicht im Gesetzestext. Achte selbst darauf, dass neben Schule, Schlaf und Spiel genug Luft bleibt.

Durchsetzen dürft ihr die Pflicht auch nicht mit allen Mitteln. Kinder haben nach § 1631 BGB ein Recht auf Erziehung ohne Gewalt, körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen (§ 1631 BGB). Im Alltag ist der Paragraf deshalb vor allem ein Satz für den Küchentisch: Mithelfen ist keine Laune von Mama oder Papa, sondern gehört zum Familienleben dazu.

Kind hilft nicht im Haushalt: Gründe und Wege

Irgendwann hat dein Kind keine Lust mehr. Das ist normal. Bevor du strenger wirst, lohnt sich ein Blick auf die Gründe.

  • Die Aufgabe ist unklar. „Hilf mal mit“ sagt nicht, was zu tun ist.
  • Die Aufgabe ist zu groß. „Räum die Küche auf“ überfordert, „Stell die Becher in die Spülmaschine“ nicht.
  • Es wird ständig verbessert. Wer immer hört, was nicht gut war, hört irgendwann ganz auf.
  • Es fühlt sich ungerecht an. Das ältere Kind hat drei Ämtli, das jüngere keins, oder ein Erwachsener drückt sich.
  • Der Zeitpunkt passt nicht. Mitten im Spiel oder müde am Abend klappt fast nichts.

Die AAP beschreibt, dass Kinder sich überfordert fühlen und gegen jede Aufgabe sträuben können, wenn Eltern zu viel verlangen oder das Ergebnis ständig kritisieren. Nörgeln und Schimpfen bringen laut AAP wenig, Ermutigung und Anerkennung für das Geschaffte deutlich mehr (AAP).

  • Macht die Aufgabe konkret und klein, mit einem festen Zeitpunkt.
  • Lass dein Kind zwischen zwei Aufgaben wählen, statt eine zu bestimmen.
  • Macht die ersten Male zusammen. „Ich spüle, du trocknest ab“ ist leichter als „Mach du das“.
  • Besprecht in Ruhe, was passiert, wenn eine Aufgabe liegen bleibt. Das Familienhandbuch rät, solche Folgen gemeinsam zu besprechen. Eine faire Folge hat mit der Aufgabe zu tun: Wer den Tisch nicht abgeräumt hat, räumt eben vor dem Spielen ab.
  • Geh selbst voran. Kinder merken genau, wer im Haushalt was macht.
  • Bleibt es über Wochen schwierig, tauscht die Aufgabe. Manchmal ist sie einfach die falsche.

Häufige Fragen

Welche Aufgaben im Haushalt schaffen Kinder mit 6 Jahren?

Mit sechs Jahren können viele Kinder das eigene Bett machen, den Tisch decken und abräumen, schmutzige Wäsche in den Korb bringen, Spielsachen wegräumen und kleine Mülleimer leeren. Die AAP nennt solche Aufgaben für Fünf- bis Siebenjährige. Fang mit zwei festen Aufgaben an und nimm erst eine dritte dazu, wenn die ersten ohne Erinnerung klappen.

Welche Aufgaben im Haushalt passen für Kinder mit 10 Jahren?

Zehnjährige können staubsaugen, beim Kochen helfen, sich einen Snack selbst machen, ihre Wäsche einräumen und Einkäufe auspacken, dazu alles, was die Jüngeren auch tun. Manche schaffen schon die Spülmaschine oder das Beziehen des Betts, auch wenn die AAP das erst für Elf- und Zwölfjährige auflistet. Probiert es zusammen aus.

Wie lange sollten Kinder im Haushalt helfen?

Eine feste Zeit nennt weder das Gesetz noch eine der Fachstellen, auf die sich dieser Artikel stützt. Hilfreicher als Minuten sind feste Aufgaben mit festem Zeitpunkt, etwa den Tisch nach dem Abendessen abräumen. Neben Schule und Hobbys soll genug freie Zeit bleiben. Wird es zu viel, nehmt eine Aufgabe weg.

Wie kann man einen Ämtliplan für Kinder selber machen?

Ihr braucht ein großes Blatt oder eine Tafel, eine Spalte pro Person und eine Zeile pro Aufgabe. Für jüngere Kinder malt oder klebt ihr Bilder statt Wörter auf. Mit Magneten oder Wäscheklammern lassen sich die Ämtli jede Woche tauschen. Hängt den Plan dorthin, wo alle vorbeikommen, und lasst Platz zum Abhaken.

Zum Weiterlesen

Quellen

  1. Familienhandbuch (IFP Bayern): Familiäre Alltagsaufgaben: Kinder sinnvoll einbeziehen, familienhandbuch.de
  2. American Academy of Pediatrics: Age-Appropriate Chores for Children, HealthyChildren.org
  3. Dahl (2015): The Developing Social Context of Infant Helping in Two U.S. Samples, Child Development
  4. Warneken & Tomasello (2008): Extrinsic rewards undermine altruistic tendencies in 20-month-olds, Developmental Psychology
  5. § 1619 BGB: Dienstleistungen in Haus und Geschäft, gesetze-im-internet.de
  6. § 1631 BGB: Inhalt und Grenzen der Personensorge, gesetze-im-internet.de

Dieser Artikel ist eine Hilfe für den Familienalltag. Er ersetzt keine Diagnose und keine ärztliche, psychotherapeutische oder ergotherapeutische Beratung. Mehr dazu